Heldinnenzeit

Die australische Schauspielerin Ruby Rose spielt mit Batwoman das Vorbild, das sie als Kind nie hatte: eine lesbische Superheldin.

«Als ich aufwuchs, habe ich im TV nie jemanden gesehen, mit dem ich mich hätte identifizieren können», sagte Ruby Rose in Jimmy Fallons «Tonight Show». Bild: Lisa O'Connor/AFP

«Als ich aufwuchs, habe ich im TV nie jemanden gesehen, mit dem ich mich hätte identifizieren können», sagte Ruby Rose in Jimmy Fallons «Tonight Show». Bild: Lisa O'Connor/AFP

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Ruby Rose wollte als Junge auf­wachsen und nie Brüste kriegen. Mit zwölf outete sie sich als lesbisch. Dafür erntete sie physische und ­verbale Gewalt. Sie fühlte sich alleine. Ein Suizidversuch folgte, ebenfalls mit zwölf. Später entdeckte sie ihre Androgynität als Kapital. Sie wurde Model, MTV-Star, Fernsehmoderatorin, DJ, Hollywood-Schauspielerin. Heute ist sie, was immer ihr gefällt: Mann, Frau, keines von beiden. ­«Genderfluid» heisst ihr Zauberwort – Geschlecht fliessend. Das ist sie, Ruby Rose. «Sei die Person, die du gebraucht hättest, als du jung warst», lautet eines ihrer Mottos.

Rose wird Batwoman spielen, die erste offen lesbische Superheldin mit eigener TV-Serie. Damit sei ein Kindheitstraum in Erfüllung gegangen, schreibt die 32-jährige Australierin auf Insta­gram. «Als ich aufwuchs, habe ich im TV nie jemanden gesehen, mit dem ich mich hätte identifizieren können, schon gar keinen Superhelden», sagte sie in Jimmy Fallons «Tonight Show».

Doch bis sie an diesem vorläufigen Ziel ihrer Träume ankam, musste sie auch als Erwachsene viele Hürden überwinden. Sie litt unter Depressionen, lebt mit der Diagnose «bipolar». Mit ihrer psychischen Erkrankung ging sie offen um, twitterte 2013, dass sie den Kampf dagegen noch immer verliere. Sie wies sich in eine Klinik ein. Später räumte sie öffentlich ein, dass sie als Kind sexuell missbraucht worden sei.

Netflix als Sprungbrett

Dann aber gings steil bergauf. 2015 spielte Rose in der Netflix-Serie «Orange Is the New Black». Die US-Erfolgsproduktion gilt als fortschrittlich, rüttelt an der Heterosexualität als gesellschaftlicher Norm. Bei den Dreharbeiten traf Rose auch Laverne Cox, eine Transgender-Schauspielerin.

Sie war es, die Rose inspirierte, als sie am Video «Break Free» arbeitete. Dieses kam 2014 raus und zeigt das Coming-out von Rose als genderfluid. Es zeigte, wie sie sich ihre Haare abschneidet, sich das enge Korsett des erwarteten Frauseins vom Leib reisst und sich selbst wird – mit dunklem kurzen Haar, burschikosen Gesten, tätowiertem Körper, aber immer noch betörendem Blick. Der Befreiungsschlag wurde auf Youtube über 38,5 Millionen Mal angeklickt.

Coming-out als genderfluid: Das Video «Break Free» von Ruby Rose. Video: Youtube/Ruby Rose

Trotz grosser Fanbasis sind mit der Wahl der Australierin als neuer Batwoman nicht alle zufrieden. Auf Twitter liest man, Roses Schauspielkünste reichten nicht aus, um Bat­woman zu spielen. Andere wiederum finden, sie sei zu gut, man hätte lieber eine unbekanntere lesbische Schauspielerin casten sollen. Wieder andere hätten sich eine Jüdin gewünscht. Denn der Charakter hinter Batwoman, Kate Kane, ist Jüdin. Dies betonte Kane in ihren Auftritten als DC-Comics-Figur seit 1956. Ganz im Gegensatz dazu war die erste moderne Version der Kate Kane alias Batwoman lesbisch – 2006 hatte sie ihren ersten Auftritt in einem Comic. Die Kritik war damals ähnlich wie jetzt bei Ruby Rose: Sie sei nicht die erste lesbische Superheldin im TV und auch nicht die einzige.

So oder so, die TV-Serie mit Bat­woman, die nicht mehr auf Batman, sondern auf Frauen steht, soll in den USA 2019/20 ausgestrahlt werden. Und Ruby Rose weiss für sich: Sie ist, was sie früher gebraucht hätte, damals mit zwölf Jahren – ein Vorbild.

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 09.08.2018, 21:28 Uhr

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