Hier wollen Sie garantiert keine Nacht verbringen!

Horror-Hotels im Kino, vom Bates Motel in «Psycho» bis zum jetzt eröffnenden El Royale am Lake Tahoe.

Im El Royale sorgt Regisseur Drew Goddard ab dieser Woche für Wirbel. (20th Century Fox)

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Ferien, Freizeit, ein wunderbares Zimmer. Was aber, wenn die Nacht nicht so wird, wie man sich das vorgestellt hat? Wenn plötzlich die Wände wackeln, Geister erscheinen und Vermummte auf einen einstechen? Horror-Hotels haben die Fantasie der Filmemacher stets beflügelt. Jetzt eröffnet ein neues im Thriller «Bad Times at the El Royale». Dazu eine Liste der Herbergen, die Filmgeschichte geschrieben haben – und die man in Wirklichkeit tunlichst meiden sollte.

Das Aktuelle: El Royale

Zimmer mit Dusche? Chris Hemsworth in «Bad Times at the El Royale» von Drew Goddard.

Es liegt am Lake Tahoe und hat schon bessere Tage gesehen. Aber das El Royale hat eine Besonderheit: Durch seine Räumlichkeiten verläuft die Grenze zwischen den US-Bundesstaaten Kalifornien und Nevada, was bedeutet, dass auf der einen Seite das Glücksspiel erlaubt ist, auf der andern der Verkauf von Alkohol. Hier treffen in «Bad Times at the El Royale» sieben Personen aufeinander, die alle etwas zu verbergen haben. Es geht um viel Geld, perverse Filmaufnahmen und perfide Racheaktionen. Im Kino zahlt sich die Nacht aus, zumal fantastische Darsteller wie Jeff Bridges und die Newcomerin Cynthia Erivo einchecken. In Wirklichkeit aber sollte man fortan vorsichtig sein, wenn es grosse Spiegel im Zimmer gibt. Wer weiss, was dahintersteckt? Und nein, das Hotel existiert nicht am Lake Tahoe. Gedreht wurde in Filmkulissen in Vancouver, Kanada.

Das Klassische: Bates Motel

Unten das Motel, oben das Haus, in dem die Mutter haust: «Psycho» von Alfred Hitchcock.

Bitte nicht duschen! Das Motel von Alfred Hitchcock in «Psycho» (1960) hat Filmgeschichte geschrieben. Besonders weil über den Zimmern ein viktorianisches Herrenhaus thront, in dem angeblich die Mutter des Hotelbesitzers Norman Bates wohnt. Unsterblich ist nicht nur die fulminant geschnittene Duschszene, in der Hauptdarstellerin Janet Leigh bereits nach 20 Filmminuten niedergemetzelt wird. Auch die peitschende Musik von Bernard Herrmann und die Zeichnung des verklemmten Mörders waren wegweisend. Das hatte Folgen: Es gibt drei Fortsetzungen des Films, ein Bild-für-Bild-Remake und eine im letzten Jahr eingestellte Serie namens «Bates Motel». Die Original-Filmkulisse kann in Los Angeles auf dem Universal-Gelände besichtigt werden. Ein Eintritt kostet allerdings mehr als eine Nacht damals im Motel: über 100 Dollar pro Person.

Das Abgelegene: Overlook Hotel

Komm, spiele mit uns: Die Zwillinge sind nicht die einzige Erscheinung in «The Shining» von Stanley Kubrick.

Eigentlich ist es geschlossen, das imposante Hotel in den Bergen von Colorado. Aber Jack Nicholson, ein Autor mit Schreibblockade, und seine Familie überwintern dort als Hausmeister, mit fatalen Folgen. «The Shining» (1980) war ursprünglich ein Roman von Stephen King, den Stanley Kubrick sehr frei umsetzte. Daraus entstand ein Klassiker, an dessen Geheimnissen – Zimmer 237 – bis heute herumgerätselt wird. Autor King konnte sich mit dem Film nie anfreunden, produzierte gar ein eigenes TV-Remake, das aber niemals dieselbe Wirkung hatte. Jack Nicholsons irres Grinsen und Rumrennen mit der Axt bleiben unvergesslich. Wer trotzdem an diesem Ort übernachten will, kann das: Die Aussenaufnahmen entstanden bei der Timberline Lodge im US-Bundesstaat Oregon. Stanley Kubrick war allerdings nie dort, der Film wurde in den Elstree Studios bei London gedreht, die Hotel-Aussenansichten stammten von einem zweiten Team.

Die Folter-Herberge: Hostel

Nein, kein böser Traum: In «Hostel» von Eli Roth landen die Besucher der Jugendherberge direkt in der Folterhölle.

Jetzt wird es ganz grausam. In «Hostel» (2005) wird ein paar Rucksackreisenden eine Jugendherberge in der Slowakei empfohlen, in der einheimische Frauen ganz scharf auf Touristen sein sollen. Die erste Nacht fängt ganz gut an, aber bald landen die Protagonisten in Kellern, wo aufs Schlimmste gefoltert wird. Da fliesst so viel Blut, dass das spezielle Horrorgenre, das in dieser Zeit Mode wurde, Torture Porn (Folter-Porno) genannt wird. Regisseur Eli Roth war ziemlich erfolgreich darin. Keine Freude hatte dagegen die slowakische Touristenindustrie, sie lud den Filmemacher ein, das Land zu besuchen, um dessen wahre Schönheiten kennen zu lernen. Er lehnte ab.

Das Hotel spukt selber: Dolphin Hotel

Das Hotelzimmer kommuniziert mit John Cusack, und zwar ziemlich deutlich: «1408» von Mikael Hafström.

Nochmals Stephen King, nochmals ein Schriftsteller und ein verwunschenes Haus. Im Film «1408» (2007) checkt John Cusack in besagtem Zimmer ein, weil dort angeblich schon 53 Menschen zu Tode kamen. Er ist Reiseautor, seine Spezialität ist das Aufdecken von Hotel-Spukgeschichten, die er als Fälschungen entlarvt. Hier hat er aber die Rechnung ohne das Zimmer 1408 gemacht. Es sind – wie in der Kurzgeschichte von King – nicht irgendwelche Geister oder Menschen, die für Angst und Schrecken sorgen. Sondern es ist tatsächlich das Zimmer selber. Für Reiselustige: Es gibt in New York, wo der Film spielt, kein Dolphin Hotel. Die Aussenaufnahmen zeigen das Roosevelt Hotel.

Und in der Wirklichkeit?

War die Inspiration für «The Shining» und profitiert jetzt davon: Das Stanley Hotel am Eingang zum Rocky-Mountain-Nationalpark.

Das Hotel, das Stephen King zu seinen Horrorgeschichten inspirierte, gibt es tatsächlich: Es ist das Stanley in Estes Park, Colorado. Der Schriftsteller und seine Familie verbrachten dort eine einsame Nacht kurz vor Saisonende, wobei die leeren Gänge ihn inspirierten. Spukgeschichten scheinen für einige Reisende genauso wichtig zu sein wie der Pool oder das Gratis-Wi-Fi. Auf Seiten wie Trip Advisor kann man auf jeden Fall auch nach «Haunted Hotels» suchen, und es gibt Ergebnisse auf der ganzen Welt. Manchmal inspirieren die Filme aber auch die Wirklichkeit. Das Stanley Hotel veranstaltet jährlich einen «Shining Ball». Und liess 2015 ein Heckenlabyrinth anpflanzen wie dasjenige, durch das damals Jack Nicholson mit der Axt rannte. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 09.10.2018, 15:34 Uhr

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