«Ich hoffe, dass ich ­keinen Ärger bekomme, weil ich das gesagt habe»

Michael Douglas ist seit 50 Jahren im Geschäft. Zeit, mit ihm über seine Karriere, Rückschläge und das Älterwerden zu sprechen.

Michael Douglas macht das Älterwerden wenig Sorgen – ausser er spielt einen Tag lang Golf. Foto: Vincent Tullo (Laif)

Michael Douglas macht das Älterwerden wenig Sorgen – ausser er spielt einen Tag lang Golf. Foto: Vincent Tullo (Laif)

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Sie haben im November einen Stern auf dem Walk of Fame in Hollywood bekommen. Warum hat das denn so lange gedauert?
Wahrscheinlich bin ich ein bisschen snobistisch gewesen. Die haben ja schon seit mehr als 20 Jahren die Abdrücke von meinen Händen und Füssen im Grauman’s Chinese Theatre ganz in der Nähe, da habe ich diesen Stern nicht unbedingt als Bestätigung gebraucht. Jetzt bin ich allerdings seit 50 Jahren in diesem Geschäft, also habe ich mitgemacht.

Sie sagen das so beiläufig, als würde Ihnen dieser Stern nicht viel bedeuten. Es heisst immer, dass einer dadurch unsterblich würde in Hollywood.
Sie müssen bedenken: Es gibt diese Zeremonie, weil was vermarktet werden muss, ein neuer Film oder eine neue Serie. Ich wollte nicht, dass das ein Publicity-Stunt wird. Nun aber war ich doch sehr bewegt.

Aber offenbar nicht wegen des Sterns an sich.
Es war einfach eine schöne Veranstaltung. Mein Vater Kirk war da. Meine Frau Catherine Zeta-Jones. Meine Kinder. Jane Fonda hat eine Rede gehalten. Ich bin seit Jahren mit ihr befreundet, schliesslich gehören wir beide der zweiten Generation des sogenannten Hollywood-Adels an. Wir wissen beide, wie es ist, einen berühmten Vater zu haben.

Wie ist das denn?
Erst mal wie in jeder Vater-Sohn-Beziehung, wenn der Jüngere den Beruf des Älteren ergreifen will. Jeder Sohn will aus dem Schatten des Vaters treten und seinen eigenen Weg gehen, gerade wenn der Vater derart erfolgreich ist. Natürlich passiert das bei einem Schauspieler in aller Öffentlichkeit, weshalb das bei mir ziemlich lange gedauert hat. Dann allerdings gab es diesen einen Moment, in dem es passiert ist.

Welcher war das?
Der Oscar für «Wall Street» im Jahr 1988. Der hat mir wahrscheinlich mehr bedeutet als anderen Schauspielern. Und aus einem anderen Grund: Die Anerkennung meiner Kollegen hat mir gezeigt, dass ich aus dem Schatten meines Vaters getreten bin. Dass ich es selbst geschafft habe. Dass ich akzeptiert bin.

Gab es von Ihrem Vater denn keine Anerkennung?
Doch! Jemand hat ihn mal gefragt: «Sind Sie neidisch auf den Sohn?» Er antwortete: «Es ist doch der Traum eines jeden Vaters, dass der Sohn erfolgreich ist – das ist eine Form von Unsterblichkeit.»

Mehr als durch einen Stern auf dem Walk of Fame.
Auf jeden Fall! Diese Beziehung zwischen Vater und Sohn ist besonders, mehr noch als die zwischen Mutter und Tochter. Ich hoffe, dass ich jetzt ­keinen Ärger bekomme, weil ich das gesagt habe.

Es gibt das Sprichwort, dass niemand alt und weise wird, wenn er nicht mal jung und dumm gewesen ist.
Das ist wahr. Ebenfalls wahr: Die Jugend wird an die Jungen verschwendet. Wenn man jung ist, dann will man dauernd nach vorne preschen. Weiter, immer weiter, in einer wahnwitzigen Geschwindigkeit. Irgendwann willst du das Leben dann ein bisschen ruhiger angehen, doch das geht dann nicht mehr. Deshalb ist das mein Ratschlag an alle jungen Leute: Nehmt euch die Zeit, ab und an mal innezuhalten und an Rosen zu schnuppern.

Sie haben leicht reden, Ihre Karriere ist grandios verlaufen.
Ach, jeder Schauspieler erlebt doch Rückschläge, wenn er zum Beispiel die Rollen nicht bekommt, die er haben möchte. Als ich zum ersten Mal auf der Bühne stand, an der Universität war das, da sagte mir mein Vater nach dem Auftritt, dass ich schrecklich gewesen sei.

Das ist hart.
Er sagte aber auch: «Solange du dein Bestes gibst, kannst du danach immer sagen: ‹Scheiss drauf, nicht mein Fehler, ich habe mein Bestes gegeben!›»

Sie spielen in der neuen Netflix-Serie «The Kominsky Method» mit, da geht es um zwei ältere Leute, die sich dauernd ärgern – wie einst Jack Lemmon und Walter Matthau. Was ist so lustig am Älterwerden?
Überhaupt nichts! Aber es ist doch so: Alles im Leben wird ein wenig erträglicher, wenn man es mit Humor nimmt.

«Ich bin ganz gut in Form. Ein Ratschlag: Umgeben Sie  sich mit Leuten, die  lustig sind.»Michael Douglas

Wie empfinden Sie das Älterwerden?
Das kommt ganz auf den Tag an. Wenn ich zum Beispiel 18 Löcher Golf gespielt habe und am nächsten Tag nicht ­ge­radeaus gehen kann, dann ist das ­sicher kein Spass! Auf der anderen Seite habe ich aufgrund meiner Krankheit jeden einzelnen Tag zu schätzen gelernt und vor allem, nicht alles so ernst zu nehmen.

Sie haben vor sieben Jahren den Krebs besiegt.
Ich bin ganz gut in Form. Ich plane meine Tage nun sorgfältiger, weil ich keinen einzigen mehr verschwenden will. Noch ein Ratschlag: Umgeben Sie sich mit Leuten, die lustig sind! Dann haben Sie immer was zu lachen.

Warum sind die Leute gerade in den USA so versessen darauf, möglichst jung zu wirken?
Die komplette Kultur ist darauf ausgelegt, immer möglichst jung daherzukommen. Das führt dazu, dass den Älteren kein Respekt mehr entgegengebracht wird. Ich verstehe schon, dass die Leute deshalb versuchen, möglichst jung und frisch zu wirken.

Haben Sie jemals in den Spiegel gesehen und gesagt: «Okay, jetzt werde ich alt!»
Mir ist das eher von aussen mitgeteilt worden … (lacht)

Wie das?
Ich habe Drehbücher zugeschickt bekommen mit dem Angebot, den älteren Typen zu spielen. Zuerst habe ich gedacht: Sind die verrückt geworden? Irgendwann war ich dann ehrlich zu mir selbst und habe eingesehen, dass ich mich zum Deppen machen würde, wenn ich weiterhin junge Leute spielen wollte: Guck mal in den Spiegel, du Idiot, dann siehst du, warum sie dir den alten Typen anbieten! Und es kann natürlich passieren, dass die Leute bei einer Schulaufführung meiner 15 Jahre alten Tochter sagen: «Ach, das ist aber nett, dass du deinen Grossvater mitgebracht hast!» Ich habe aber kein Problem mit dem Älterwerden, und ich sage Ihnen auch, warum das so ist.

Nur zu!
Ich bin nicht in den Ruhestand oder aufs Abstellgleis geschickt worden, das wäre tatsächlich ein Problem für mich gewesen. Ich darf weiterhin schauspielern, es sind nur andere Rollen, die ich spiele. Und ich erhalte mittlerweile Seniorenrabatt im Kino.

Also macht das Älterwerden doch Spass?
Ich bin entsetzt darüber, wie schnell das alles geht. Das Leben ist ein Zug, der bei der Geburt den Bahnhof verlässt. Er wird schneller und schneller und schneller – und irgendwann schaust du aus dem Fenster und bemerkst, dass der Grossteil deines Lebens schon vorbei ist und bereits der letzte Akt begonnen hat. Man ist lange Zeit so sehr beschäftigt mit den eigenen Sehnsüchten, dass man vergisst, ab und an mal aus dem Fenster zu schauen. Deshalb noch einmal der Rat an alle jungen Leute: Lasst es ruhiger angehen, solange ihr noch jung seid!

Im Film «Ant-Man and the Wasp» von 2018 gibt es diese eine Szene, in der Sie und Ihre Partnerin Michelle Pfeiffer per Computeranimation 30 Jahre jünger gemacht werden ...
O ja!

Wie war das, als Sie die Szene gesehen haben?
Ich habe erst einmal gelacht, weil es so unwirklich war – dann habe ich nachgedacht: Man könnte einige meiner Filme nun einfach noch einmal drehen.

Was würde Sie daran reizen?
Die Liebesszenen! Nein, im Ernst: Ich glaube, dass ich all das nun mehr ­geniessen könnte. Ich habe mich zu ­Beginn meiner Karriere stets unwohl gefühlt.

Warum denn das?
Die Kamera war für mich wie ein Röntgengerät. Die Leute haben mir gesagt: «Die Kamera weiss genau, wenn du lügst!» Doch genau darum geht es doch bei der Schauspielerei: Man gaukelt den Leuten vor, dass man jemand ist, der man in Wirklichkeit nicht ist. Also hatte ich zu Beginn meiner Karriere andauernd Angst, ertappt zu werden. Es fühlte sich an, als würde einem jemand die Haut runterreissen.

Diese Angst gibt es nun nicht mehr?
Die Herangehensweise hat sich verändert. Es geht nun eher um die Technik der Schauspielerei, und ich kann mir nun leisten, was auszuprobieren: Ich spiele in dieser Superhelden-Serie von Ant-Man mit, von der es hoffentlich noch ein paar Filme gibt – da durfte ich zum Beispiel zum ersten Mal vor einem Green Screen spielen. In der Serie «The Kominsky Method» darf ich zudem mein komödiantisches Repertoire ausprobieren. Sie sehen, ich lerne noch immer dazu.

Erstellt: 03.01.2019, 16:39 Uhr

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Der 74-jährige Amerikaner gehört zu den bekanntesten Schauspielern Hollywoods. Er hat 1988 für seine Rolle in «Wall Street» einen Oscar bekommen. 2010 erkrankte er an Zungenkrebs, den er erfolgreich bekämpfte. (red)

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