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«Ich mag diesen Missbrauch»

Milo Rau hat im Kongo ein Gerichtsverfahren über Krieg und Kapitalismus inszeniert und gefilmt. Auch seine Kunst ist in die Ausbeutung eines Landes verstrickt.

Milo Rau (2. v. r.) 2015 während Dreharbeiten zu seinem Film «Das Kongo Tribunal» mit kongolesischen Soldaten im Osten des Landes. Foto: PD
Milo Rau (2. v. r.) 2015 während Dreharbeiten zu seinem Film «Das Kongo Tribunal» mit kongolesischen Soldaten im Osten des Landes. Foto: PD

Wir fahren gerade über die Hügel von Ruanda in den Kongo. Im Gepäck haben Sie den Film «Das Kongo Tribunal», den Sie vor zwei Jahren im Ostkongo gedreht haben und nun den lokalen Protagonisten zeigen. Was ist das für ein Film?

Der Film handelt von Vorgängen, die noch lange nicht abgeschlossen sind: von den Auseinandersetzungen um das Gold und das für die IT-Industrie zentral wichtige Coltan, an dem der Ostkongo so reich ist wie keine andere Weltregion. Diese Auseinandersetzungen hatten zum Zeitpunkt des Tribunals bereits über 6 Millionen Tote gefordert und verschärften sich seither noch. Auch die kongolesische Regierungskrise hat sich seit 2015 zugespitzt: Die Region um die Grossen Seen, wo mein Film spielt, hat sich weiter destabilisiert; nicht nur weil der kongolesische Präsident Kabila seit über einem Jahr die Wahl seines Nachfolgers hinauszögert. Das offene Chaos ist ausgebrochen, überall spriessen neue Rebellengruppen aus dem Boden, die Politik der Konzerne wird immer rücksichtsloser. Und immer geht es um Rohstoffe. Es sind also keine Geschichten aus der Vergangenheit, die wir mit unserem Film beleuchten. Was wir zeigen, ist Gegenwart.

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