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Im Tempel der Eitelkeiten

Tag 4: Vor 40 Jahren war das «Studio 54» der ultimative Nightclub. Jetzt zeigt ein Dokfilm, was der Erfolg mit seinen Gründern gemacht hat.

Ian Schrager war zunächst Anwalt, Steve Rubell versuchte es mit Steakrestaurants. Dann kam den Jugendfreunden aus Brooklyn jedoch eine bessere Idee: Sie wollten den ultimativen Nightclub führen – oder besser: die spektakulärste Discothek, wie das damals in den Siebzigerjahren hiess. Das Gebäude, das sich Schrager und Rubell in New York aussuchten, war einst ein Theater und später Teil des CBS-Fernsehstudios. Mit entsprechender Bühne und Beleuchtung wurde daraus ein Soundtempel, wo sich Stars und Exhibitionisten hemmungslos austoben konnten. Drogen- und Sex-Exzesse inklusive.

Das alles ist über 40 Jahre her. Aber erst jetzt mag Co-Gründer Ian Schrager öffentlich darüber sprechen. Zum Beispiel, wie man damals ohne Alkohollizenz begann, wie man mit Promis umsprang (Mick Jagger und Keith Richards kamen gratis rein, der Rest der Stones musste zahlen), wie den Gründern der Erfolg zu Kopf stieg und wie Rubell einmal herumposaunte, dass höchstens die Mafia mehr Geld verdiene als das Studio 54. Am nächsten Tag stand dann die Steuerbehörde im Club und fand säckeweise Banknoten und Drogen. Rubell und Schrager mussten ins Gefängnis, das konnten selbst ihre 37 Anwälte nicht verhindern.

Mit Extravaganz und Arroganz

Schrager war im Studio 54 der Strippenzieher im Hintergrund, während Rubell den Showkasper machte und sich im Glanz der Stars sonnte. Einmal sieht man ihn im Film in einem Sessel fläzen, während Michael Jackson daneben einer TV-Reporterin ein Interview gibt – in der Hocke. Viele andere Male sieht man Rubell vor dem Club, wie er Leute auswählt, die reindürfen, und andere wegschickt, die nicht gut genug aussehen. Extravaganz und Arroganz gingen damals Hand in Hand.

Regisseur Matt Tyrnauer hat dieses Lebensgefühl in «Studio 54» (Galapremiere) mit einer fast rauschartigen Schönheit eingefangen. Es ist ein präzises Zeitdokument, das nicht nur erzählt, wie damalige Celebritys ihren Ruhm potenzierten, indem sie im Studio 54 feierten (worüber dann die Presse ausführlich berichtete). Er erzählt auch, was aus Rubell und Schrager wurde, nachdem sie ihren Club aus dem Gefängnis verkaufen mussten, um Steuerschulden zu bezahlen. Die beiden Freunde machten mit dem Palladium-Club weiter und stiegen ins Hotelbusiness ein, um sogenannte Boutiquehotels zu eröffnen. Es war das nächste grosse Ding. Schrager ist heute noch dick im Hotelgeschäft. Rubell dagegen zahlte einen hohen Preis für seinen ungebremsten Hedonismus. Er starb 1989 an Aids.

Spielzeiten am ZFF: 5.10., 22.15 Uhr, Arena 7, 6.10., 23 Uhr, Riffraff 1.

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