Johnny Depp macht in Zürich aus Wasser Wodka

Der Star erzählte am Zurich Film Festival ausführlich von seinen Rollen und verriet, weshalb der Disney-Boss wegen Piraten-Ikone Jack Sparrow tobte.

Stargast auf dem grünen Teppich: Johnny Depp zeigt sich in Zürich locker. (Video: SDA)

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Wie er sich selbst nennen würde, wenn er ein Songtitel wäre? Johnny Depp, der noch im Juli mit seiner Band Hollywood Vampires in der Schweiz gastierte, muss einen Moment überlegen. Dann kichert er und sagt: «What a lucky dick!» In Anbetracht einer über 30-jährigen Schauspielkarriere könnte man das für eine Untertreibung halten, angesichts der jüngsten Vorkommnisse im Leben des 55-jährigen Stars nicht unbedingt.

Depp wurde nachgesagt, Traumgagen in dreistelliger Millionenhöhe verprasst zu haben und übermässig dem Alkohol zuzusprechen. Zudem wurde er von seiner Ex-Frau Amber Heard der häuslichen Gewalt bezichtigt, wogegen sich Depp jüngst vehement wehrte. Und das Schlimmste - jedenfalls in schauspielerischer Hinsicht: Er wurde vom «Forbes»-Magazin schon mehrfach zu Hollywoods Kassengift Nr. 1 gestempelt. Geht das spurlos an einem Schauspieler vorbei?

«Depp ruiniert mir diesen Film!»

Beim einstündigen Gespräch im Zürich merkt man Depp nichts an. Der Star, dem notorische Unpünktlichkeit am Set nachgesagt wird, hat trotz grosszügigem Autogrammverteilen an die draussen wartenden Fanmassen nur 7 Minuten Verspätung und erzählt ausführlich von seinen wichtigsten Rollen – am meisten von Jack Sparrow, seinem unnachahmlich komischen Piraten. Dabei hatte diese Figur, wie Depp sie spielte, beim Disney-Konzern damals für blankes Entsetzen gesorgt, wie der Schauspieler verrät. Ist der betrunken, verrückt oder schwul?, fragte sich die Chefetage, und der damalige Disney-Boss Michael Eisner soll getobt haben: «Depp ruiniert mir diesen Film! Man versteht ja kein Wort, was er sagt.»

Video: Johnny Depp vor dem Filmpodium

Grosses Gedränge: Der Superstar wird in einem Zürcher Kino zu einem Gespräch erwartet. (Video: SDA/Tamedia)

Dass es anders kam und dieser Jack Sparrow zu einer Ikone avancierte, liegt laut Depp vielleicht daran, dass er eine Seite des Menschen verkörpere, die dieser sonst nicht ausleben könne. «In frühen Trickfilmen starben Figuren wie der Coyote tausend Tode – und machten kurz darauf mit einer kleinen Schramme auf der Stirn weiter.» Er habe damals, als seine Tochter Lily-Rose 3-jährig war, viele Animationsfilme geschaut. Jack Sparrow sei dann aber in Arizona zur Welt gekommen. «Ich dachte, dass dessen Hirn auf dem Meer übermässig viel Hitze ausgesetzt sein musste. In Arizona ist es so heiss, dass man nicht stillstehen kann. Und wenn man sich bewegt, bringt es dich um.»

Bald als Superbösewicht zu sehen

A propos Ableben: Johnny Depp hat nicht nur hübsche Anekdoten nach Zürich gebracht (etwa dass er über 80 Prozent seiner Dialoge in Tim Burtons «Edward Scissorhands» gestrichen habe), sondern auch den Film «Richard Says Goodbye». Es geht da um einen Lehrer, dem Krebs diagnostiziert wird und der darauf endlich mit dem Leben anfängt - oder dem, was er punkto Alkohol, Drogen und Sex für Leben hält. Als Zuschauer kommt man nicht umhin, gewisse Parallelen zum zwischenzeitig entgleisten Leben des Filmstars zu ziehen. Depp meint dazu nur: «Wenn ich mich in derselben Situation wie Richard befände, würde ich dasselbe tun.» Dann nimmt er einen Schluck Wasser und lobt: «Das ist aber guter Wodka!»

Dass er als Schauspieler Rollen suche, die ihn überraschten, würde bei anderen als PR-Speech abgetan. Bei Johnny Depp weckt es immer noch Neugier, zum Beispiel auf seinen Part als Superbösewicht im «Fantastic Beasts»-Sequel ‹The Crimes of Grindelwald›, das im Harry-Potter-Universum spielt und Mitte November in die Kinos kommt. «Ich sprach mit Autorin J.K. Rowling», verrät Depp. «Sie hat mir völlige Freiheit zugesichert, wie ich diese Figur gestalte.»

Erstellt: 05.10.2018, 22:34 Uhr

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