Kampf dem Ungleichgewicht

Das Locarno Film Festival unterzeichnet die Charta für Gleichstellung und Diversität. Die bisherigen Zahlen zeigen: Das war längst überfällig.

Diese Filmschaffenden haben sich am Festival in Cannes für mehr Gleichstellung eingesetzt, unter anderem Cate Blanchett. Nun soll die in Cannes initiierte Charta auch in Locarno unterzeichnet werden.

Diese Filmschaffenden haben sich am Festival in Cannes für mehr Gleichstellung eingesetzt, unter anderem Cate Blanchett. Nun soll die in Cannes initiierte Charta auch in Locarno unterzeichnet werden.

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Am 5. August wird im Rahmen des 71. Locarno Festival die Charta für Gleichstellung und Diversität unterzeichnet. Unterschreiben werden unter anderem Festivalpräsident Marco Solari und Vizepräsidentin Carla Speziali.

Das Locarno Festival ist damit das erste A-Festival nach Cannes und das erste Festival in der Schweiz, das diese Charta unterzeichnet.

Das Festival verpflichtet sich, ab sofort eine Statistik über Geschlechterverhältnisse zu führen. Speziell berücksichtigt werden soll dort die Anzahl der eingereichten Filme.

Auf der Piazza Grande sind dieses Jahr nur gerade 5 Filme von Regisseurinnen zu sehen. Demgegenüber stehen 15 Filme, die alle von Männern gedreht wurden.

Noch ungleicher ist das Bild im internationalen Wettbewerb. Dort kommen auf 13 Männer 3 Frauen, das heisst: Nur jeder fünfte Film stammt von einer Regisseurin. Das ist gar eine Verschlechterung zur Quote vom Vorjahr. 2017 gab es im internationalen Wettbewerb nur gerade ein Film von einer Regisseurin, dagegen 15 Beiträge von Männern (dazu kam eine Ko-Regie). 2016 dagegen führten bei 8 von 17 Filmen Frauen Regie, im Wettbewerb waren die Geschlechter also fast gleich vertreten.

Besser sieht es in der Festivaljury aus. Dieses Jahr herrscht Gleichstand, 9 Frauen, 9 Männer. Mit der Statistik, die man ab nun führen will, sollen solche Ungleichverhältnisse festgehalten werden und die Zahlen als Basis für entsprechende Massnahmen dienen. Unter anderem soll ein Plan zur Gleichstellung in den Entscheidungsorganen des Festivals implementiert werden.

Auch verlangt die Charta, dass offengelegt wird, wie sich der Anteil Frauen und Männer bei den Selektionskomitees verteilt, welche das Festivalprogramm zusammenstellen. So soll der Verdacht auf fehlende Diversität und Geschlechterungleichheit aus der Welt geschafft werden.

Angeregt hat die Unterzeichnung das Swiss Women's Audiovisual Network (SWAN). Swan greift dabei auf die Charta ihrer französischen Schwesterorganisation 5050x2020 zurück, welche im Mai 2018 am Cannes Film Festival initiiert wurde.

Das Schweizer Netzwerk wird nun über die Fortschritte des Locarno Festival in Sachen Gleichstellung und Diversität Buch führen. Die Zahlen werden auch in weiter angelegte Versuche von Swan fliessen, die Schweizer audiovisuelle Industrie ins Geschlechtergleichgewicht zu bringen.

Erstellt: 31.07.2018, 13:24 Uhr

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