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«Kontrolle killt Emotionen»

Juliette Binoche spielt in «Clouds of Sils Maria» eine Schauspielerin. Im Interview erzählt sie, wie viel die Rolle mit ihr selber zu tun hat. Und sie sagt, wann man wirklich alt wird.

Christoph Schneider
Auf dem doppelten Boden des Identitätsspiels: In Olivier Assayas' «Sils Maria» (Start Ende Jahr) schlüpft Juliette Binoche in die Rolle einer älteren Schauspielerin, die Konkurrenz von einer jüngeren bekommt und sich derweil verstrickt in intime Gespräche mit ihrer Assistentin (Kristen Stewart).
Auf dem doppelten Boden des Identitätsspiels: In Olivier Assayas' «Sils Maria» (Start Ende Jahr) schlüpft Juliette Binoche in die Rolle einer älteren Schauspielerin, die Konkurrenz von einer jüngeren bekommt und sich derweil verstrickt in intime Gespräche mit ihrer Assistentin (Kristen Stewart).
PD
Eine natürliche Form der Eleganz: Juliette Binoche in Abbas Kiarostamis «Copie conforme», einem anderen Verwirrspiel über ein Paar in der Toskana, das vielleicht nur ein Paar spielt - oder tatsächlich ein Paar ist, das wirkt, als spiele es, dass es ein Paar ist.
Eine natürliche Form der Eleganz: Juliette Binoche in Abbas Kiarostamis «Copie conforme», einem anderen Verwirrspiel über ein Paar in der Toskana, das vielleicht nur ein Paar spielt - oder tatsächlich ein Paar ist, das wirkt, als spiele es, dass es ein Paar ist.
PD
Kann sie auch nicht schlecht, das Verhärmte: Juliette Binoche als todunglückliche Künstlerin, eingesperrt im Irrenhaus im Spielfilm «Camille Claudel» von Bruno Dumont.
Kann sie auch nicht schlecht, das Verhärmte: Juliette Binoche als todunglückliche Künstlerin, eingesperrt im Irrenhaus im Spielfilm «Camille Claudel» von Bruno Dumont.
PD
Oder dann als Bild von Schönheit und erotische Projektionsfläche in Louis Malles «Fatale».
Oder dann als Bild von Schönheit und erotische Projektionsfläche in Louis Malles «Fatale».
PD
Gewiss eine ihrer berühmtesten Rollen: In Krzysztof Kieslowskis «Trois Coleurs: Bleu» als von Trauer und Verlust geplagte Frau namens Julie, die sich ein Leben in Freiheit aufbauen will.
Gewiss eine ihrer berühmtesten Rollen: In Krzysztof Kieslowskis «Trois Coleurs: Bleu» als von Trauer und Verlust geplagte Frau namens Julie, die sich ein Leben in Freiheit aufbauen will.
PD
Dafür gabs dann einen Oscar für die Beste Nebendarstellerin: In Anthony Minghellas «The English Patient» gab die Binoche eine Krankenschwester im kriegsversehrten Italien.
Dafür gabs dann einen Oscar für die Beste Nebendarstellerin: In Anthony Minghellas «The English Patient» gab die Binoche eine Krankenschwester im kriegsversehrten Italien.
PD
Eine Verlockung im Bildrahmen: Juliette Binoche in «The English Patient».
Eine Verlockung im Bildrahmen: Juliette Binoche in «The English Patient».
PD
Für den Liebesfilm «Les amants de pont neuf» forderte Regisseur Leos Carax derart viel Einsatz von seiner damaligen Freundin Juliette Binoche, dass sie ihm später Sadismus vorwarf.
Für den Liebesfilm «Les amants de pont neuf» forderte Regisseur Leos Carax derart viel Einsatz von seiner damaligen Freundin Juliette Binoche, dass sie ihm später Sadismus vorwarf.
PD
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Eine Schauspielerin ist natürlich nie die Figur, die sie spielt. Aber da «Clouds of Sils Maria» ein Film über Schauspielerei ist und Sie darin eine Schauspielerin spielen, darf man fragen: Gabs mehr Nähe zwischen der Fiktion und dem eigenen beruflichen Leben als sonst?

Auf der professionellen Ebene sicher. Auf jeden Fall mehr Diskussion und Widerspruch. Das ganze Skript kommt ja aus Olivier Assayas’ Kopf, und ich war nicht immer damit einverstanden. Da sagt diese Schauspielerin doch tatsächlich, sie wolle keine Proben, um sich nicht die Spontaneität des Spiels zu verderben. Ich sagte Olivier, das sei Unsinn, daran glaube ich überhaupt nicht. Schauspielerei ist die Wiedererschaffung der Spontaneität. Im vermeintlichen Nichtspiel steckt die grosse Arbeit des Spielens. Manchmal glaube ich, wir Schauspieler sind ein Mysterium für ­Regisseure, die nie gespielt haben. Sie wissen nicht, wie wir zu der Wirklichkeit kommen, die wir dann auch für wirklich halten. Und das müssen wir, aber das muss erarbeitet werden.

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