Zum Hauptinhalt springen

Kurzfilm der Woche: Ein urchiger Chrampfer

Der Dokumentarkurzfilm «Kurt und der Sessellift» erzählt die Geschichte eines Mannes, der sich nicht gerne ausruht – weil er sein Reich gefunden hat, von wo aus er der Geschwindigkeit trotzt.

lkra
Vielleicht wäre er auch am liebsten alleine dort oben: Kurt Mathis auf seinem Sessellift.

Ferien? Nein, Ferien brauche er keine. Im September, während der Hochwildjagd, habe er ein bisschen frei. Aber sonst? Einmal in 34 Jahren Ehe sei er mit seiner Frau nach Rhodos. «Das hat mir gereicht. Ich habe Gesicht und Arme verbrannt, trug immer lange Hosen. Man hat mich ausgelacht», so Kurt Mathis.

Mathis ist ein Chrampfer. Sein Reich: Der Sessellift zum Haldigrat, den er vor zehn Jahren übernommen und vor dem Abbruch gerettet hat. Nun gilt es, den Gästen immer wieder sein spezielles Bezahlsystem zu erklären – es ist zwar seit zehn Jahren das Gleiche, doch selbst die Stammgäste werden noch nicht schlau daraus – und der Kälte zu trotzen. Dagegen helfen mehrere Schichten Kleidung («e paar Schichte Gwand») – und die Armeedecken, mit denen er bei Bedarf auch die Skiliftgäste einpackt. Doch vor allem trotzt Kurt mit seinem Sessellift der Geschwindigkeit. Lieber sollen die ihm unten im Tal noch schnell seine Sandwiches aus dem Auto holen, bevor er sie ihm Lift weiterfahren lässt. Es pressiert ja nicht. Er ist ein urchiger Typ, dieser Kurt, der 1955 als unehelicher Sohn geboren wurde – noch heute könne der Vater nicht zugeben, sein Vater zu sein. «Du kannst dir vorstellen, was das damals in einem Bergtal bedeutete.»

Der König auf seinem Sesselchen

Der kurze Dokumentarfilm «Kurt und der Sessellift» von Thaïs Odermatt wurde an den Winterthurer Kurzfilmtagen 2012 mit dem Publikumspreis ausgezeichnet und an mehreren Festivals gezeigt. Odermatt sagt zu ihrer Arbeit über Kurt und seinen Sessellift: «Da kommt dann plötzlich so einer, dem es nicht ums grosse Geld geht. Und er versucht einen kleinen Lift durchzubringen, der so wenig Sesseli hat. Und er hat überhaupt keinen finanziellen Anreiz. Ich finde solche Leute faszinierend, die einfach so etwas machen und für ihre Leidenschaft einstehen.»

«Manchmal glaube ich, Kurt wäre am liebsten alleine hier oben. Er würde den Sessellift auch nur für sich laufen lassen», sagt einer der Freerider, mit denen Mathis auch mal telefoniert, wenn sie Hilfe brauchen. Und so fläzt sich Mathis tatsächlich wie ein König auf seinem Sesselchen, wenn er am Abend alleine zurück ins Tal fährt – und sich sein Reich für die Nacht unter der Schneedecke zur Ruhe legt.

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch