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Mehr Luft

In «Le vent tourne» geht es um Windräder, Autonomie und eine Dreiecksgeschichte. Gestern feierte der neue Film von Bettina Oberli Premiere in Locarno.

Dem Kino fehle die Schönheit, sagte D.W. Griffith einmal, die Schönheit des Windes, der die Bäume bewegt. Davon versteht Bettina Oberli natürlich etwas, die Regisseurin von «Im Nordwind» und «Die Herbstzeitlosen». 2006 wurde ihre Komödie auf der Piazza Grande in Locarno jubelnd aufgenommen, gestern Abend kehrte Oberli mit «Le vent tourne» zurück.

Der Wind bläst in diesem Liebesdrama zunächst in die mächtige Windturbine, die Pauline (Mélanie Thierry) und Alex (Pierre Deladonchamps) auf der Wiese neben ihrem abgelegenen Hof im französischen Jura aufstellen lassen. Mit ein paar Kühen und Schweinen proben sie dort das autarke Leben fernab von WLAN und Tiermedizin; dank der Windenergie wollen sie sich ganz vom Stromnetz abnabeln. Der Ingenieur, der den Aufbau der Anlage überwacht, kommt allerdings so schnell angebraust, dass er als Erstes ein Ferkel anfährt. Auch auf der symbolischen Ebene erhebt sich also ein anderer Wind. Es ist die grosse Welt, die an der kleinen zerrt.

Bettina Oberli erzählt zum einen eine Dreiecksgeschichte zwischen Pauline, Alex und dem Ingenieur. Das Tempo ist flott, die Kamera mittendrin: Pauline ist fasziniert von diesem gut aussehenden Mann, der so ganz anders lebt.

Faszinierende Fragen

Doch mehr als ein Liebesfilm ist «Le vent tourne» eine Befragung, was Autonomie auf dem gefährdeten Planeten heissen soll: Verkapselt man sich in seinen Idealen, sei es in der Paarbeziehung oder im Umgang mit der Natur? Was muss man abtöten, um sich unabhängig zu machen? Alex hält umso energischer am Selbstversorgerleben fest, je stärker die Welt in seinen Alltag einbricht. Und Pauline fragt sich, inwiefern sie, um ihre Freiheit zu erlangen, einen Bruch machen muss mit dem, was für sie schon immer Befreiung war.

Dass diese Fragen alle auf einem Flecken Land verhandelt werden, ist das Faszinierende. Das Problematische ist, dass vieles auf diesem Hof nach Papier riecht: Die junge Galina, die zwecks Erholung zu Besuch kommt, ist eine gute Nebenfigur. Aber muss sie wirklich aus Tschernobyl stammen?

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