Zum Hauptinhalt springen

Alles in allem sehr stilvoll

Roger Moore war nicht nur der ausdauerndste, sondern auch der eleganteste James Bond. Gestern ist der Schauspieler mit 89 Jahren gestorben.

Im Alter von 89 Jahren: Roger Moore starb an den Folgen einer Krebserkrankung. (Video: Tamedia/AFP)

Das ist, denkt man dann oft, das Traurige bei manchen Schauspielern: dass sie die Unsterblichkeit, die sie mit einer Rolle erlangt haben, doch nicht überleben können. Dass die Kränze, die ihm die Welt flicht, sogar dürrer geworden sind schon zu Lebzeiten und die Erinnerungen blasser. Es war beim Schauspieler Roger Moore, geboren 1927 im Londoner Stadtteil Stockwell, gestorben am Dienstag, drauf und dran, so zu werden, ehrlich gesagt. Und ein wenig bedauerlich wars, dass er vielen hierzulande vermutlich zuerst als Werbegesicht für das SBB-Halbtax-Abo und für die Swisscom vor Augen stand.

Wobei nicht die Werbung das Problem war, die war ganz amüsant, sondern das bereits Schattenhafte seines Ruhms. (Die Werbung nämlich hätte auch auf sympathische Art an Moores jüngere Tage erinnern können, in denen er geworben hatte für Zahnpasta und Wollwaren, und ein Erinnerungskreis hätte sich geschlossen.) Sein James Bond war schon beinahe ein Schemen – obwohl der seiner Königin am längsten gedient hat von allen, in sieben Filmen von 1973 bis 1985. Der Tod des Darstellers wird hier nun gewissermassen eine Wiederbelebung seiner Figur.

Die spöttische Augenbraue

Er war der dritte Bond, es gab virilere und härtere und auch ironischere vor ihm und nach ihm. Aber elegantere, solche, die sowohl Smoking (wahrscheinlich in jedem seiner Filme) als auch Raumanzug (in «Moonraker», 1979) mit der gleichen Nonchalance trugen, gab es nicht. Seltsamerweise hat man ihn nicht als besonders konditionsstark und kampfkünstlerisch geschmeidig im Gedächtnis, obwohl ers ja gewesen sein muss. Sondern eben eher als elegant beim dauernden Atombombenentschärfen und, nebenbei gesagt im Vergleich der Bonde, recht kontrolliert im Umgang mit seinen fleischlichen Gelüsten.

Seinerzeit metzelte er sich sehr jugendfrisch und mit spöttisch gefältelter Augenbraue durchs Agentenleben (er war drei Jahre älter als Sean Connery; man hätte ihm das nie gegeben). Mit der Zeit aber schien er einem doch immer steifleinerner zu werden, und es entwickelte sich auch so etwas wie eine charakterliche Hüftschwere seines Bond. Und das liest sich nun so, als habe man diesen Bond gar nie recht geliebt. Aber das ist gar nicht wahr und kommt nur davon, dass man vielleicht einfach nicht zweimal gleich innig lieben kann.

Moore verkörperte den britischen Geheimagenten James Bond sieben Mal.
Moore verkörperte den britischen Geheimagenten James Bond sieben Mal.
Keystone
Moore während einer Bond-Drehpause (Bild von 1972).
Moore während einer Bond-Drehpause (Bild von 1972).
Keystone
Kampf gegen Krebs verloren: Roger Moore (1927-2017).
Kampf gegen Krebs verloren: Roger Moore (1927-2017).
Keystone
1 / 4

Denn meine wahre Liebe zu Roger Moore reicht viel tiefer in die Zeit. Über den Bond hinaus. Er war der Ivanhoe meiner Kindheit. Diese englische Fernsehserie (1958/59) erreichte die Schweiz in den frühen Sechzigerjahren, und Moore war darin der eminenteste Fechter mit dem ritterlichen Langschwert, und zwischen Parade und Riposte zog er auch schon so bondisch die Braue hoch im antinormannischen Spott; ich war acht, glaube ich, und das wird bleiben vor jedem Bond, und derart vollkommen in seiner Entrückungsmacht war Fernsehen vorher und nachher nie.

Der kampftüchtige Adel stand Roger Moore sehr gut – auch in der Erinnerung an den Schlossbesitzer und Katzenliebhaber Rufus Excalibur ffolkes, der 1979 in «North Sea Hijack» Anthony Perkins einen Harpunenpfeil durch die Brust schoss. Und ritterliche Reflexe fanden sich wieder in Moores «Simon Templar» (ab 1966 auf ARD) und im Lord Brett Sinclaire aus «Die 2» (1972 im ZDF). Der eine war ein bürgerlicher Dieb, aber von natürlicher Noblesse, und der andere ein kriminalistisch hochtalentierter Filou aus altenglischem Adel. Der lernte schon in der ersten Folge, dass der silberne Löffel im Mund, mit dem man geboren wird, zu mehr dienen muss, als die Frühstücksmarmelade von ihm abzulecken. Nur die Schwerter fehlten in beiden Serien, man kann nicht alles haben.

Ein Schweizer Wegweiser

Auf Youtube ist manches zu finden, und manches wird jetzt lebendig mit oder ohne Hilfe aus dem Netz. Zum Beispiel jene Folge «Simon Templar und die Königin», in der auch Zürich vorkommt: als ein Plattenbau, der mit «Schweizer National Bank» angeschrieben ist, und als ein Wegweiser zwischen Wald und Kuhweide, auf dem «10 km Lufthafen Zürich» steht. Und das nun ist die Gelegenheit festzuhalten, wie gut Moores Beziehung zur Schweiz war; nicht nur weil er, wie man annehmen darf, ein Halbtax-Abo hatte, sondern weil er lang in Gstaad gelebt hat und, obwohl er dann nach Monaco gezogen ist, bis zum Ende auch immer wieder in Crans-Montana.

Der Adel, der ihm gut stand, hat Roger Moore übrigens in Wirklichkeit erreicht: 1999 mit der Ernennung zum Commander of the British Empire, und dann 2003, als ihn seine Königin zum Knight Commander of the British Empire schlug. Und das galt gewiss dem Bond, der zu Moores Zeiten ans Empire ja noch irgendwie glaubte; es galt hoffentlich auch ein wenig dem Ivanhoe, aber ganz bestimmt galt es dem engagierten Unicef-Botschafter, der sich für die Belange von Kindern einsetzte, für sauberes Wasser als Menschenrecht und gegen die Produktion von Stopfleber.

Mit dem Bond hat er nie gehadert, obwohl es schon sein könnte, dass der ihn auch ein wenig am künstlerischen Fortkommen gehindert hat während des Agententums und über den Abschied hinaus. Roger Moore war 58, als er fand, sein Bond habe jetzt genug getan für Monarchin und Reich. Er ging nobel und wusste, was er dem Bond schuldete und was der Bond ihm. Seine Autobiografie von 2008 hiess «My Word is My Bond», und mit einer gewissen Ergebenheit ans Unabänderliche eines spezifischen Rufs und Ruhms hat er seinerzeit in der SBB-Werbung die Worte gesprochen, er habe jetzt die Lizenz zu Halbtaxeln.

Das entscheidende Rezept

James Bond übrigens mit seiner Vorliebe für geschüttelte Martinis hat sich im Lord Sinclair bereits abgezeichnet. Das war eben in diese Serie, in der Moores Sinclair sich immer mit Danny Wilde (Tony Curtis) schlug und vertrug, und beide tranken zusammen beträchtliche Mengen Alkoholika. Sinclair liebte vor allem den Creole Scream. Einmal habe ich das Rezept nachgeschlagen. Es lautet: ein Schuss weisser Rum; etwas Angostura; ein Schuss Wermuth, gut gekühlt; ein Spritzerchen Grenadine; ein Löffel zerstossenes Eis; alles geschüttelt und passiert, dazu eine Olive (Danny Wilde nahm zwei, er hielt das für erotischer). Dann einschenken. Alles in allem: sehr stilvoll, und das ist ein Wort und eine Art, die zu Roger Moore wirklich immer gepasst haben.

Wie die Familie mitteilte, ist Roger Moore nach einer schnell verlaufenen Krebserkrankung in Crans-Montana gestorben. Er wurde 89 Jahre alt.

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch