«Merkt euch: Erfolg ist die beste Rache»

Bevor er den Golden Icon Award des Zurich Film Festival entgegennahm, traf Arnold Schwarzenegger sein Publikum.

In Redelaune: Schwarzenegger auf dem grünen Teppich am Zurich Film Festival. Video: Adrian Panholzer

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Er war da, ein freundliches, präsentes, man darf sogar sagen: charismatisches Trumm von Mann, und sein heftig beklatschter Auftritt, moderiert vom Fernsehpräsentator Stefan Gätjen, war seinen Visionen gewidmet. Es ist nämlich so bei Arnold Schwarzenegger, dem steirischen Eichbaum, auch im fortgeschrittenen Alter, dass er immer eine Vision hat. Es hat etwas sehr Physisches und Muskulöses, wenn er das Wort benützt, und er hat es benützt oder doch ständig umschrieben gestern im Zürcher Filmpodium. Der Eindruck, den man schon anlässlich seiner Autobiografie («Total Recall», 2012) gewann, wurde bestätigt: dass er das Visionäre seiner Lebtag wie den Erwerb von Muskelmasse betrieb, buchstäblich und metaphorisch verstanden.

«Hör nicht auf die Neinsager» heisst die schwarzeneggersche Formel. Das Scheitern am «Unmöglichen» war nie eine Kategorie seines Denkens. Das konnte die Ausbildung der perfekten Herzform seines Zweiköpfigen Wadenmuskels betreffen, die Anschaffung eines Jumbojets oder den Umweltschutz. Und jetzt, nachdem er ja längst alles erreicht oder doch unbeschädigt überstanden hat, als Bodybuilder, als Filmschauspieler, den die ungeschlachten Mittel nicht am Erfolg hinderten, als Gouverneur von Kalifornien sogar und als Steirer mit Akzent, jetzt betrifft es seinen neuen Film, «Maggie» (Regie: Henry Hobson) und eine Art Schauspielerei, mit der sich Arnold Schwarzen­egger als Hauptdarsteller (und Co-Produzent) sozusagen einschreiben will in die Liste der Subtilen.

Er las das Drehbuch, hatte die Vision und definierte das Ziel: Sie sei in ihm gewesen, sagte er im Filmpodium, diese weiche, väterliche Seite seiner Rolle in «Maggie», und das habe einmal rausgemusst in seinen reifen Jahren, obwohl die Neinsager wieder gesagt hätten, ein Actionheld weine nicht. Er habe geweint, und sich «keine Sorgen gemacht».

«Think Big» - für 89 Franken

Schauspielerische Angeberei war es nicht. Maggie in «Maggie», das ist ein Mädchen, das seinem Vater Wade unter den Händen ins Zombietum wegfault. Mit ihm faulen Millionen. Und Wade nun, der Vater: Das ist schon noch Arnold Schwarzenegger, und was er tun muss gegen Zombie und Mensch, das tut er mit Axt und Gewehr, jedoch achtsam, in sich gekehrt und kummervoll, weil er erkennt, dass auch Zombies ein Seelenleben haben. Und ja, oft spielt er es tatsächlich zum Staunen subtil.

Er weiss, dass er auf die siebzig zugeht. Er gebe jetzt gern etwas zurück, sagte er. Das macht ihn liebenswürdig. So wie er liebenswürdig war zu jenem jungen Mann aus dem Filmpodium-Publikum, der ihm ein Drehbuch anbot. Das sei ja seine Rede, meinte er: «Sei nicht schüchtern, du bist ein Gewinner.» «Big Thinking» nennt man das wohl, und womöglich haben sich das auch die Veranstalter dieser Dreiviertelstunde «Conversation With Arnold Schwarzenegger» zu Herzen genommen. Die Karte kostete regulär 89 Franken, und das war doch etwas übertrieben gross gedacht.

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 30.09.2015, 21:17 Uhr

Artikel zum Thema

Wer wagts?

Exklusiv Treten Sie gegen Schwarzenegger und andere Actionhelden wie Angelina Jolie an – in unserem Klick-Battle. Mehr...

Spass mit Angst – «I'll be back» in Zürich

Machen Sie den Schwarzenegger! Wie Passanten am Bellevue den Muskelprotz kopieren – und Antworten auf die Frage, ob sie Arnie attraktiv finden. Mehr...

Der neue Pixar-Film «Inside Out»

Wer in der «Kommandozentrale» der 11-jährigen Riley das sagen hat. Mehr...

Die Redaktion auf Twitter

Stets informiert und aktuell. Folgen Sie uns auf dem Kurznachrichtendienst.

Kommentare

Die Welt in Bildern

Ganz in weiss: Josephine Skriver posiert vor der Vorführung des Films «Roubaix, une lumière» in Vannes auf dem roten Teppich. (22. Mai 2019)
(Bild: Stephane Mahe) Mehr...