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Milagros Mumenthaler gewinnt auf Anhieb den Goldenen Leoparden

Das Festival del film Locarno liebt es zu überraschen. Davon liessen sich dieses Jahr offenbar die Jurys inspirieren: Weitgehend unerwartet erhielt «Abrir puertas y ventanas» die höchste Auszeichnung.

Ihr Beitrag über drei trauernde Mädchen überzeugte die Jury: Milagros Mumenthaler mit dem Goldenen Leoparden in Locarno. (13. August 2011)
Ihr Beitrag über drei trauernde Mädchen überzeugte die Jury: Milagros Mumenthaler mit dem Goldenen Leoparden in Locarno. (13. August 2011)
Keystone

Die Regisseurin Milagros Mumenthaler zeigte sich am Samstag auf Anfrage erstaunt über die Auszeichnung für ihr Spielfilm-Debut, eine schweizerisch-argentinische Koproduktion. Zuletzt hatte 2006 mit «Das Fräulein» von Andrea Staka ein Schweizer Film den renommierten Wettbewerb gewonnen.

«Abrir puertas y ventanas» erzählt von drei Mädchen, die um ihre verstorbene Grossmutter trauern. Maria Canale, die eine der Schwestern verkörpert, konnte für ihre Leistung in dem Film einen Silbernen Leoparden als beste Darstellerin entgegennehmen.

Israelis gewinnen Spezialpreis

Mumenthalers Film, dessen Deutschschweizer Kinostart noch nicht feststeht, befasst sich einfühlsam mit den Ängsten und Entwicklungen der jungen Frauen. Allerdings fordert der Film dem Zuschauer mit statischen Kameraeinstellungen auch einige Geduld ab.

Der israelische Beitrag «Hashoter» von Nadav Lapid, der als einer der Favoriten galt, erhielt den Spezialpreis der Jury zuerkannt. Zusätzlich vergab die Jury des internationalen Wettbewerbs unter dem Vorsitz des portugiesischen Produzenten Paulo Branco einen Goldenen Spezialleoparden an den Regisseur Shinji Aoyama.

Besuch beim Botschafter Polens

Den Leoparden für die beste Regie ging an Adrian Sitaru für «Din dragoste cu cele mai bune intentii» («Best Intentions»). Den Hauptdarsteller des Films, Bogdan Dumitrache, kürte die Jury mit einem Silbernen Leoparden zum besten Darsteller. Im zweitwichtigsten Wettbewerb Cineasti del presente wurde der Goldene Leopard «L'estate die Giacomo» von Alessandro Comodin zugesprochen. «L'Ambassadeur & moi» von Jan Czarlewski erhielt den Pardino d'oro für den besten Schweizer Kurzfilm.

Auch diese Preisvergabe kommt etwas überraschend. In dem kurzen Dokstreifen besucht Czarlewski seinen Vater, der als polnischer Botschafter in Belgien tätig ist, an dessen Arbeitsplatz. Der unspektakulär anmutende Film berührt gerade dadurch, dass der übermüdete Diplomat das Projekt nur widerwillig zulässt.

Zum Abschluss des Filmfestivals wurden die italienische Schauspielerin Claudia Cardinale am Freitag und der Schweizer Regisseur Claude Goretta am Samstag für ihr Lebenswerk gewürdigt. Die definitiven Besucherzahlen werden am Sonntag bekanntgegeben.

Solari: «Das ist ein Wunschmoment»

Provisorische Zahlen, die den Publikumsaufmarsch bis Freitag berücksichtigen, lassen ein kräftiges Plus von acht Prozent erwarten, wie es seitens des Festivals hiess. Auf der Piazza Grande wurden 7000 Zuschauerinnen und Zuschauer mehr gezählt als 2010, das bedeutet einen Zuwachs von 14 Prozent.

Nach über zehn Jahren als Präsident habe er das Festival sowohl inhaltlich wie hinsichtlich der Besucherzahlen dort, wo er es haben wolle, sagte Präsident Marco Solari am Samstag gegenüber der Nachrichtenagentur sda: «Das ist ein Wunschmoment.»

Doch er sei keineswegs euphorisch gestimmt, sondern realistisch, betonte Solari. Auf die anstehende Arbeit blicke er mit einiger Nervosität: «Wir haben uns gesteigert, aber wir müssen uns ständig steigern. Der Druck wächst mit dem Erfolg.» Das Festival müsse jetzt ein Jahr darauf hinarbeiten, 2012 nicht zu enttäuschen.

SDA/rub

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