Miss Überperfekt

Sie ist so schön wie eine Puppe, darf die Oscars moderieren, holt für die Filmstudios Geld ein wie keine andere Schauspielerin und zeigt sich neuerdings gerne nackt. Warum bleibt Anne Hathaway trotzdem so blass?

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An Anne Hathaway kommt momentan niemand vorbei. Im Kino nicht (dort spielt sie zurzeit in «Love and Other Drugs» an der Seite von Jake Gyllenhaal und hat mit diesem eigentlich durchwegs Sex), in den Filmnews nicht (gerade eben ist bekannt geworden, dass sie die Catwoman im neuen «Batman» von Christopher Nolan spielen soll) und ausserhalb des Kinos erst recht nicht. Am 27. Februar wird sie zusammen mit ihrem Schauspielkollegen James Franco die Oscar-Verleihung moderieren.

Anne Hathaway ist überall. Alle mögen sie. Sie ist freundlich, für Spässe zu haben, kümmert sich angeblich nicht um den Schlankheitswahn in Hollywood (sie habe keine Zeit dafür) und ist so schön wie eine Puppe: Augen wie ein Bambi, Haare wie Schneewittchen und ein Mund so gross wie der von Julia Roberts. Dass sie schauspielern kann, weiss spätestens seit 2008 jeder. In «Rachel Getting Married» mimte sie die Alkoholikerin Kym so glaubwürdig, dass sie dafür mit einer Oscar-Nomination belohnt wurde. Dabei trinkt sie «wirklich nie» und nimmt auch keine Drogen, wie sie betont.

Täglich grüsst die Oberweite

Dieses so perfekte Gesamtpaket freut besonders die Filmstudios. Pro Dollar, den die Studios ihr an Gage zahlen, holt Anne 64 Dollar wieder herein. Keine andere Schauspielerin schafft derzeit mehr. Diese stapelt derweil tief. «Ich habe einen viel zu grossen Mund und zu grosse Augen für mein relativ kleines Gesicht», klagte sie vor ein paar Monaten in einem Interview. Richtig gut sehe sie nur aus, wenn ein ganzes Team von Haar- und Make-up-Profis sich stundenlang um sie gekümmert hätte. Alles klar. Und sie müsse weinen, wenn sie einer wie Kate Winslet zuschaue und ihr bewusst werde, wie viel sie noch an sich arbeiten müsse.

Zehn Jahre ist es her, seitdem sich die 28-Jährige aus New Jersey vom tollpatschigen Teenager mit der schrecklichen Brille in «Plötzlich Prinzessin» in einen schönen Schwan verwandelte und damit den Durchbruch in Hollywood schaffte. Sechs Jahre später dann die ganze Verwandlung nochmals von vorne. Dieses mal von der verschupften Praktikantin zur stylischen rechten Hand der Modemagazinchefin in «The Devil Wears Prada». Zwischendurch ein paar Familienfilme und fertig war das Bieder-Image, das Hathaway gleich zu zerschlagen versuchte. Mit einem einfachen Trick. Sie entblösste in einem Jahr gleich zwei Mal ihre ansehnliche Oberweite: Zuerst für «Havoc» und dann auch noch für «Brokeback Mountain» – übrigens der Film, der ihr am meisten am Herzen liegt. Die ganze Sache mit der Nacktheit sei keine Absicht, versichert Hathaway bis heute – und zeigt in einer der ersten Szenen von «Love and Other Drugs» gleich mal ihre Brust und später noch viel mehr.

Trotz allem bleibt Anne Hathaway sonderbar blass. Daran konnte auch der eine Skandal nichts ändern, in den sie unfreiwillig verwickelt wurde. Ihr langjähriger Freund, der Immobilienmakler Raffaello Folieri musste 2008 wegen Geldwäscherei hinter Gitter. «Ich war eine Woche lang im Schockzustand», sagte Hathaway später. Ihre Tagebücher wurden als Beweismittel beschlagnahmt, sie selber kam jedoch ungeschoren davon und trennte sich sofort, um ihre Karriere nicht zu gefährden. So bleibt sie das Mädchen von nebenan. Zwar hübsch und freundlich und nett, aber leider auch ein bisschen zu glatt, zu langweilig. Als Moderatorin der einschläfernden Oscar-Verleihung kann – muss – sie nun das Gegenteil beweisen.

Erstellt: 01.02.2011, 12:32 Uhr

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