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Mordwaffe Füdli

Der neuste «Tatort» verwechselte sich mit einem Mystery-Film und bot die lächerlichste Auflösung seit langem.

Der Trailer zum «Tatort» «Borowski und das Land zwischen den Meeren». (Video: Tamedia)

Ich war einmal im «Plättliparadies», ein Geschäft für Badezimmerfliesen. Dort waren Steinplättli im Holzlook ausgestellt. Eine irritierende Sache. Ich finde, entweder ist etwas aus Stein oder Holz und sieht dann auch entsprechend aus. Trotzdem nickten die Leute im Showroom beeindruckt.

Was das mit dem «Tatort» zu tun hat? Sehr viel. Der ist ein Krimi, wollte gestern aber wie ein Mystery-Film wirken. Deshalb wurden zu Beginn rätselhafte Sätze («Kommt doch für jeden die Zeit, wo auch die Gespenster des Glückes noch willkommen sind») aus dem Off geraunt, während eine Frau auf einer Nordseeinsel dem Meer entstieg. Wenig später fand diese ihren kriminellen Liebhaber, der auf dem Festland seinen Tod vorgetäuscht hatte, tot in der Badewanne.

Der herbeigerufene Kommissar Borowski sah dann einen Menschen mit Schweinskopf am Strand und eine gigantische Windhose über der See und ausserdem klebte plötzlich Blut an seinen Händen. Tja, lieber «Tatort»-Fan, viel Spass beim Interpretieren. Kleiner Tipp: Der Krimi war an die Rungholt-Sage angelehnt: Die Insel Rungholt soll als Gottesstrafe im 14. Jahrhundert untergegangen sein, weil Bauern einem Schwein Alkohol einflössten und einen Pfarrer zwangen, dem Tier die Sakramente zu geben.

Die Grenzen des «Tatort»

«Wir gestatten uns einmal, ins Mythische vorzudringen, ohne dabei ein bis ins Detail logisches Konstrukt zu schaffen», sagte Regisseur Sven Bohse im Vorfeld der Ausstrahlung. «In der Inszenierung habe ich mich deshalb auf die Stimmigkeit der emotionalen Aussage konzentriert. Das erschien mir bei diesem Film wichtiger als die Logik.» Da hätten bei den Produzenten eigentlich sämtliche Alarmglocken läuten sollen. Bei einem reinen Mystery-Film sind solche Elemente zwingend, doch hier zeigte sich einmal mehr, dass der «Tatort» kein Gefäss ist, das sich beliebig in andere Genres modulieren lässt, auch wenn das angesichts der vielen modernen, experimentellen TV-Serien verlockend ist.

Nicht, dass «Borowski und das Land zwischen den Meeren» ein schlechter Film war, dem einen oder anderen mag er sogar als «träumerisch» oder «poetisch» vorgekommen sein. Aber weniger Rückblenden und eine weniger lächerliche Auflösung am Schluss – das Opfer wurde von seiner Freundin in der Badewanne per Hinterteil unter Wasser gedrückt – wären nicht schlecht gewesen. Aber vielleicht liegts auch an mir – ich bin ja schon von Holzsteinplättli überfordert.

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