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Nazi-Trash erster Güte

Quentin Tarantino plant ein Remake des italienischen Kriegsfilms «Inglorious Bastards», in dem US-Deserteure in die Schweiz flüchten. Wer das Original kennt, weiss: Das wird keine leichte Aufgabe.

Traditionellerweise werden B-Movies in Hollywood zusammengewurstelt. Einzig Italien wagte in den 70er Jahren den Amerikanern mit billigen Actionstreifen die Stirn zu bieten – aus dieser ungestümen Periode stammt «Inglorious Bastards» von Enzo Castellari. Die englischsprachige Produktion handelt von einer Gruppe amerikanischer Soldaten, die sich 1944 hinter den deutschen Linien durch das besetzte Frankreich schlägt.

Während in Tarantinos Remake eine aus Juden bestehende Einheit Jagd auf Nazis macht, sind Castellaris Figuren anarchistische Lausbuben, die sich in die neutrale Schweiz schlagen wollen. Aus gutem Grund: Wegen Verstössen gegen die Army-Regeln wurden sie zum Tod verurteilt. Angeführt wird der chaotische Trupp von Leutnant Yeager. Weil deutsch-stämmig, vermag er die Deserteure durch allerlei Checkpoints zu schleusen – trotz eines eklatanten US-Akzents (nun wird klar, weshalb Tarantino fürs Remake deutsche Schauspieler gecastet hat).

Russ Meyer lässt grüssen

Mehr Handlung ist nicht zu erkennen, der Rest des Films ist gute alte 70er-Action: Entgleisende (Modell-)Züge, Feuer speiende Maschinengewehre, Explosionen. Und natürlich Körper, die meterhoch durch die Luft fliegen (hier hat man offensichtlich mit einem Trampolin gearbeitet). Sympathischerweise bleiben die unzähligen Opfer zwar tot, aber stets unblutig liegen.

Kurz, «Inglorious Bastards» ist mit seinem pubertären Charme mehr Komödie, als Kriegsfilm. Wie sonst ist folgende Szene erklärbar: Als die Soldaten weibliche SS-Offiziere beim Nacktbaden überraschen, springen sie jauchzend zu ihnen in den Fluss. Dummerweise rutscht einem etwas auf Englisch heraus, worauf die blonden Fräuleins barbusig das Feuer eröffnen. Russ-Meyer lässt grüssen.

«Swiss Banks have mucho dinero»

Trotzdem vermochten einige Kritiker in dem antiautoritären Trupp eine Reflexion über das post-faschistische Italien zu dechiffrieren. Andere orteten links-militantes Gedankengut. Wahrscheinlicher ist, dass der Film ein paar schnelle Lire machen wollte, indem er beim Kriegsfilm-Klassiker «Das dreckige Dutzend» abkupferte – ohne freilich dessen moralische Botschaft zu übernehmen.

Wie auch immer: Quentin Tarantino täte gut daran, nach seinen letztem Film (dem bemüht-schmuddeligen «Death Proof»), den nonchalanten Ton von «Inglorious Bastards» beizubehalten. Und wenn er schon mal am Abschreiben ist, sollte er auch gleich einige der Dialoge übernehmen – zum Beispiel jenen zwischen Yeager und seinem ersten Offizier:

O: Where do we go? Y: Switzerland. O: I like that. Swiss banks have mucho dinero. Y: Yeah.

Das ist, selbst für einen Quentin Tarantino, Trash erster Güte.

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