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Nicht nur nicht clever, sondern einfach mies

«Hot Dog», die Action-Komödie mit Til Schweiger und Matthias Schweighöfer, wirft Fragen auf, etwa: Wie kommt so ein chauvinistischer Unfug zustande?

Philipp Bovermann

Der amerikanische Drehbuchautor Tripper Clancy verdient sein Geld derzeit vor allem damit, den deutschen Schauspielern Til Schweiger und Matthias Schweighöfer Komödien auf den Leib zu schreiben. Was man halt so macht, wenn man in Hollywood sechs Projekte in der Entwicklungshölle schmoren hat und sich die Chance bietet, einen schnellen schmutzigen Euro zu machen. Clancy hat schon beim Remake von «Vier gegen die Bank»mitgemischt, jetzt hat er sich für das Duo «Hot Dog»ausgedacht. Schweighöfer und Schweiger spielen ungleiche Partner bei einer Spezialeinheit der Polizei. Ein nerdiger Asthma-Cop und ein knallharter Superbulle mit Macker-Sprüchen, die seinen kuscheligen Kern verbergen sollen. Wer auch nur einen Film mit den beiden gesehen hat, weiss, wer welche Rolle spielt. Was bei so einer Konstellation herauskommt, ist naturgemäss selten besonders originell, grundsätzlich auszusetzen gibt es daran aber nichts, solange man es halbwegs ordentlich macht. Clancy macht es aber leider nicht ordentlich. Zunächst mal sind die Gags mies - also nicht nur nicht clever, sondern einfach mies.

«Diese blöde moldawische Kuh», schimpft die Polizistin, die zu Schweiger und Schweighöfer dazustösst, über eine amouröse Nebenbuhlerin. Als sie das sagt, steht gerade eine Kuh neben dem Auto, in dem sie sitzt. Man möchte laut muhen vor Lachen! Ausserdem darf die Polizistin, gespielt von Anne Schäfer, an einem Wassereis herumlecken und weinen - was Frauen halt so machen. Überhaupt, lieber Tripper Clancy, kann man es mit dem Chauvinismus auch so sehr übertreiben, dass vermutlich selbst Leute, die Gender-Theorie für Teufelszeug halten, davon genervt sein werden. Die Rede ist natürlich vom Schweiger-Bullen. Er demütigt unablässig den Schweighöfer-Bullen, den unverstandenen Klugscheisser mit der angeblichen Hochbegabung, indem er ihn «Helga»nennt. Als dieser hyperventiliert, gibt er ihm ein Kondom, damit er hineinatmen und sich beruhigen kann. Aber das Kondom ist benutzt. Schweighöfer-Bulle spuckt Sperma durch das Polizeirevier.

Da stellen sich viele Fragen: Warum hat der Schweiger-Polizist ein gebrauchtes Kondom in der Hosentasche? Gibt es da, wo Leute wie er Kondome benutzen, keine Abfalleimer? Und heisst es nicht an anderer Stelle, er liebe ausschliesslich, für immer treu, seine Exfrau? Ist er nun supermännlich oder supertreu? Diesen scheinbaren Widerspruch sauber zu kitten, gehört zu den Mindestanforderungen, wenn man für Til Schweiger eine Rolle schreibt.

Die Produzenten dieser Komödie hingegen sollten sich fragen, ob solche Gags nicht etwas heftig sind für die tendenziell jüngere Zielgruppe, die sie mit ihren Kalauern anzuvisieren scheinen. Der Film ist immerhin ab zwölf Jahren freigegeben. In einer Szene in «Hot Dog»überfährt die Polizistin mit dem Geländewagen aus Versehen einen Schurken. Hoppala - wir sehen kurz ihr erschrockenes Gesicht. Sollten sich Kinder so etwas anschauen? Nein. Sollten sich Erwachsene so etwas anschauen? Nein.

Hot Dog, Deutschland 2018 - Regie: Torsten Künstler. Buch: Tripper Clancy. Schnitt: Robert Kummer. Kamera: Markus Nestroy. Musik: Martin Todsharow. Mit: Til Schweiger, Matthias Schweighöfer, Anne Schäfer, Heino Ferch. Verleih: Warner, 105 Minuten.

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