Oscars und falsche Züri-Trams

Oliver Stone wird Jurypräsident am Zurich Film Festival – es ist nicht sein erster Besuch in der Stadt.

Oliver Stone kommt Ende September zum fünften Mal ans ZFF – dieses Mal als Jurypräsident. Foto: Getty Images

Oliver Stone kommt Ende September zum fünften Mal ans ZFF – dieses Mal als Jurypräsident. Foto: Getty Images

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Er drehte Klassiker wie «Wall Street» und «JFK», für das Drehbuch von «Midnight Express» erhielt er einen Oscar, ebenso für die Regie von «Platoon» und «Born on the Fourth of July». Jetzt aber vergibt der hochdekorierte Oliver Stone (72) selbst Preise: Er wird Jurypräsident am 15. Zurich Film Festival, das am 26. September beginnt.

Die abtretenden Direktoren Nadja Schildknecht und Karl Spoerri holen damit für ihre letzte Ausgabe jenen Mann nach Zürich, der im Jahr 2007 half, das ZFF international bekannt zu machen. Oliver Stone nahm bei der dritten Festivalausgabe den Ehrenpreis entgegen und blieb der Veranstaltung, die er danach noch dreimal besuchte, stets freundschaftlich verbunden.

«Falsche Trams? So ein Mist»

Im Jahr 2010 präsentierte Stone zum Beispiel «Money Never Sleeps», die Fortsetzung seines «Wall Street»-Thrillers mit Michael Douglas. Einige Szenen daraus spielten dabei tatsächlich an der Bahnhofstrasse, sorgten aber bei der Premiere für erstaunte Gesichter: Durch Stones Zürich fuhren nämlich nicht die normalen blauen Trams, sondern knallrote. «Falsche Trams? So ein Mist», kommentierte der Regisseur damals in der «SonntagsZeitung» und sagte, da habe sich jemand beim Aussuchen des Archivmaterials vertan.

Oliver-Stone-Klassiker: Michael Douglas in «Wall Street».

Stone ist ein umgänglicher, sympathischer Gesprächspartner, der kein Blatt vor den Mund nimmt. Im selben Interview sagte er zum Beispiel, es sei eine Schande, dass die Schweiz in Sachen Bankgeheimnis den USA nachgegeben habe, sie hätte sich mehr wehren sollen: «Ihr seid zwar nur ein kleines Land. Aber auf dem Finanzmarkt seid ihr doch grosse Jungs.»

Interviews mit den Mächtigen der Welt

Er selbst ist ab und zu auch als Interviewer unterwegs, am liebsten bei den Mächtigen der Welt. In Zürich präsentiert er dieses Jahr den vierteiligen Dokumentarfilm «The Putin Interviews» mit einer Reihe von Gesprächen, die er mit dem Präsidenten Russlands führte. Ausserdem bringt er seinen Klassiker «The Doors» über den Sänger Jim Morrison ans Festival, der in einer restaurierten Fassung gezeigt wird.

Oliver Stone packt gern brisante Themen an – sein bisher letzter Spielfilm war «Snowden» – und bereitet diese süffig auf. Sein Spektrum reicht vom intimen Gesprächsfilm über einen Radiomoderator («Talk Radio») bis zum historischen Monumentalfilm («Alexander»). Nicht immer ist er dabei erfolgreich. Sein ebenfalls am ZFF präsentiertes Porträt «W.» über den US-Präsidenten George W. Bush floppte. Trotzdem dürfte es der in der Schweiz am weitesten verbreitete Film des Regisseurs sein: Er hatte keine Kinoauswertung, wurde dafür aber dem «SonntagsBlick» als DVD beigelegt.

Erstellt: 29.08.2019, 11:30 Uhr

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