Richter zwingt Spacey, persönlich vor Gericht zu erscheinen

Heute startet das erste Verfahren gegen den gefallenen Schauspieler. Er befürchtet negative Publicity, wie er in einem Schreiben formulierte.

Seit über einem Jahr ist Kevin Spacey (Archivbild) nicht mehr öffentlich aufgetreten. Heute muss er beim Prozess in Nantucket erscheinen. (Foto: AFP)

Seit über einem Jahr ist Kevin Spacey (Archivbild) nicht mehr öffentlich aufgetreten. Heute muss er beim Prozess in Nantucket erscheinen. (Foto: AFP)

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Gut ein Jahr lang war Kevin Spacey mehr oder weniger verschwunden. Nachdem im Herbst 2017 mehrere Männer angegeben hatten, der Schauspieler habe sie sexuell belästigt, hat er sich aus der Öffentlichkeit zurückgezogen. Ende Dezember vergangenen Jahres veröffentlichte er schliesslich ein bizarr anmutendes Video, in dem er offenbar die Rolle des amoralischen Politikers Frank Underwood aus der Netflix-Serie «House of Cards» wieder aufnahm, die er mehrere Jahre lang gespielt hatte.

Ausserdem kaufte er kürzlich einem Fotografen, der ihn in Baltimore entdeckt hatte und Bilder machen wollte, eine Pizza. Ansonsten war von Spacey, einem der erfolgreichsten und besten Schauspieler der Gegenwart, nichts zu sehen und nichts zu hören.

An diesem Montag aber muss Spacey unfreiwillig ins Licht der Öffentlichkeit zurückkehren. Am Bezirksgericht von Nantucket im Bundesstaat Massachusetts ist eine Klage wegen sexueller Belästigung und Körperverletzung gegen ihn anhängig. Der Richter hat Spaceys persönliches Erscheinen angeordnet, obwohl dieser schriftlich darum gebeten hatte, der Anhörung fernbleiben zu dürfen. Er residiere in einem anderen Bundesstaat und fürchte, dass sein Erscheinen die negative Publicity um den Fall noch erhöhen werde, schrieb er. Der zuständige Richter Thomas Barrett lehnte die Bitte ohne Angabe von Gründen ab.

Im Sommer bei Touristen beliebt

Spacey wird vorgeworfen, im Jahr 2016 einen 18 Jahre alten Mann in einer Bar auf Nantucket belästigt zu haben. Nantucket ist eine kleine Insel vor der Nordostküste der USA, auf der rund 11'000 Menschen leben. Im Sommer vervielfacht sich die Einwohnerzahl, weil die Insel ein beliebtes Urlaubsziel ist. Da die Tat auf Nantucket stattgefunden haben soll, wird sich Spaceys Rückkehr in die Öffentlichkeit nun auf diesem abgelegenen Flecken Erde vollziehen.

Die Mutter des 18-jährigen mutmasslichen Opfers, eine frühere Nachrichtensprecherin aus Boston, hatte den Fall im November 2017 öffentlich gemacht. An Heiligabend 2018 berichtete der Boston Globe, dass in der Sache Anklage gegen Spacey erhoben werde. Dieser hat dem Gericht mitgeteilt, dass er auf «nicht schuldig» plädiere. Dem Verfahren auf Nantucket dürften viele weitere folgen.

In Hollywood gilt Spacey als Persona non grata

Begonnen hatte Spaceys Sturz bereits im Oktober 2017. Damals erklärte der Schauspieler Anthony Rapp, er sei als 14-Jähriger von dem Hollywoodstar sexuell belästigt worden. Der heute 59 Jahre alte Spacey sei damals 26 gewesen. Spacey teilte mit, er könne sich an den Vorfall nicht erinnern, aber falls er stattgefunden habe, sei er der unverzeihliche Fehler eines Betrunkenen gewesen. Er bitte um Entschuldigung.

Dann aber meldeten sich mehr und mehr Männer, die von Belästigungen berichteten. Spacey habe sie an Filmsets bedrängt oder im Theater, er habe seinen Penis gezeigt, er habe Sex gewollt. Hollywood reagierte rasch. Seine Rolle als Frank Underwood in der eminent erfolgreichen Serie «House of Cards» wurde gestrichen.

Noch radikaler ging der Regisseur Ridley Scott vor, der mit Spacey gerade den Film «Alles Geld der Welt» abgedreht hatte, in dem es um die Entführung eines Enkels des amerikanischen Ölmagnaten J. Paul Getty geht. Spacey spielte diesen Magnaten, und seine Performance sei oscarwürdig gewesen, hiess es in Hollywood. Scott schnitt ihn trotzdem komplett aus dem Film und drehte die entsprechenden Szenen mit dem Schauspieler Christopher Plummer innerhalb kürzester Zeit neu.

In dem seltsamen Video, das Spacey im Dezember veröffentlicht hat, sagt er: «Sie würden kein Urteil fällen, ohne die Fakten zu kennen, oder?» Die Grenzen zwischen seiner Rolle als Frank Underwood und ihm selbst scheinen zu verschwimmen. «Wir sind noch nicht fertig», sagt er, «ganz egal, was gesagt wird.» Was er damit meint, ist rätselhaft, aber es dürfte in vielerlei Hinsicht zutreffen.

Spaceys dreiminütiges Video mit dramatischer Musik. (Quelle: Youtube/Kevin Spacey)

Erstellt: 07.01.2019, 11:00 Uhr

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