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Robin Hood: Kettenhemd statt Strumpfhose

Ridley Scotts «Robin Hood» zeigt den Rächer der Armen bevor er in Sherwood Forest einzieht - als angeknacksten Bogenschützen im königlichen Dienst.

Robin Hood oder Robin of Loxley sieht jetzt aus wie Russell Crowe, warum auch nicht? Der Mann hat im Kino so oft Gesicht, Gestalt und Strumpfhosen gewechselt, und seine Legende hat ohnehin seit Jahrhunderten das ewige romantische Leben. Überhaupt kann auf eine physiognomische Wahrheit getrost gepfiffen werden. Vielleicht sah der echte Robin Hood ja aus wie sein etwas gnomenhaftes Denkmal vor dem Schloss in Nottingham; vermutlich hatte er schlechte Zähne; am wahrscheinlichsten jedoch ist, dass ein echter Hood gar nie existierte, sondern nur ein kollektiver Traum gleichen Namens.

Und was Crowe in «Robin Hood» von Ridley Scott betrifft, macht er sich sehr gut mit seinen in Schlachten erworbenen Narben und den feinen Runzeln, die ihm der Krieg ins Gesicht gegraben hat und die Schuld, dabei gewesen zu sein, als der König Löwenherz in Akkon 2700 Gefangene massakrieren liess (3. Kreuzzug). Er verkörpert den künstlerischen Anspruch, den Realismus der Geschichte mit der Romantik der Wirkungsgeschichte zu verbinden. Denn das ist Weg und Ziel und Ehrgeiz von Scotts Film; er will an eine «Wahrheit», aus der die Legende dann erst entsteht. Das Problem – wenn wir mit Unterhaltungskino eins haben wollen – ist nur, dass die Romantik zu viel Realismus nicht immer gut verträgt (und umgekehrt, nebenbei bemerkt).

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