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«Star Wars» besetzt jede dritte Leinwand in Zürich

Der Disney-Konzern stellt den Kinos harte Bedingungen.

«The Last Jedi» mit Daisy Ridley als Jedi-Novizin Rey ist ein gelungener Trilogie-Mittelteil.

Dezember ist Geschenkezeit. Die Kinobetreiber zum Beispiel erhalten eine neue Folge der «Star Wars»-Reihe, womit sich die Besucherstatistik in den zweieinhalb Wochen bis zum Jahresende noch einmal mächtig aufbessern lässt. An diesem Wochenende läuft «Star Wars: The Last Jedi» in Zürich auf 24 von 70 Leinwänden, das ist gut ein Drittel. In der überwältigenden Mehrheit der Kinosäle wird die Fortsetzung mehrmals täglich gezeigt, bei drei Vorstellungen – Nachmittag, früher Abend und Abend – bleibt dann kein Platz mehr für einen anderen Titel.

Die grösste Betreiberin in Zürich, die Kitag, zeigt «Star Wars» in 4 ihrer 5 Kinos. Die Hälfte der Säle im Abaton spielt den Film. Ihre Konkurrentin, das Arena in der Sihlcity, führt die neuen Abenteuer von Rey und Kylo Ren in 10 ihrer 18 Säle vor, mehrheitlich auf Deutsch.

Der 3-D-Aufpreis von 2 oder 3 Franken spült den Kinos zusätzlich Geld in die Kassen. Im Corso oder im Metropol etwa hat man gar nicht erst die Wahl. Bei den Quartierkinos Kosmos und Houdini kostet das teuerste Ticket wegen 3-D und Überlängezuschlag 24 Franken.

Gemäss Riffraff- und Houdini-Betreiber Frank Braun gehen davon 11 Franken direkt an den Disney-Konzern, der mit «Star Wars: The Force Awakens» (2015) über 2 Milliarden Dollar eingenommen hat. Das ist der sogenannte Verleihanteil, der pro Film zwischen Verleiher und Kinobetreiber ausgehandelt wird. Laut Frank Braun sind in der Schweiz 30 bis 50 Prozent Ticketabgaben üblich. Normalerweise zahlen die Kinos weniger, je länger der Film läuft. In den ersten paar Wochen gelte aber: 50 Prozent Abgabe an Disney.

In den ersten paar Wochen gilt: 50 Prozent Abgabe an Disney.

Gegenüber dem Majorstudio befinden sich die Kinos in der schwächeren Position: Nicht zeigen können sie den Film ja auch nicht, sonst entgehen ihnen beträchtliche Einnahmen. In den USA wurden die Kinos von Disney deshalb zu historischen 65 Prozent Abgaben an den Ticketeinnahmen genötigt. Ausserdem fordert der Disney-Konzern von den Betreibern, den Film während mindestens vier Wochen im grössten Saal laufen zu lassen. Ähnliche Bedingungen galten schon bei «The Force Awakens». Neu muss aber noch einmal 5 Prozent abliefern, wer die Bedingungen verletzt.

In der Schweiz war Disney im letzten Jahr Marktführer. 5 der Top-10-Filme stammten von diesem Studio, fast die Hälfte der Einnahmen entfielen ausserdem auf 3-D-Vorführungen. Die Kitag-Gruppe und auch die Arena-Kinos betonen, dass Konditionen wie in den USA hierzulande nicht gelten würden. Auch gebe es keine Saalvorgaben. Für die Kitag ist es bei «Star Wars» «wie bei jedem anderen Film». Weiter wolle man sich dazu nicht äussern. Gemäss Kinobetreiber Braun gibt es aber sehr wohl Anforderungen von Disney bezüglich der Kinosäle. Nur bestünden in der Regel eigentlich alle grossen Studios zumindest in der Startwoche auf drei Vorstellungen pro Tag. Und auch mit unabhängigen Verleihern lege man fest, wie oft und in welchen Sälen ihre Filme vorgeführt werden sollen.

Verträge mit Wasserzeichen

Dass Disney harte Bedingungen stelle und es deswegen zu Zoff mit den Kinos komme, davon höre man immer wieder, sagt Braun. Disney Schweiz wollte dazu nicht Stellung nehmen. Laut einem Bericht im «Wall Street Journal» erhalten die Kinos Verträge mit Wasserzeichen, um Leaks zu verhindern. Wer mit der Werbung für «The Last Jedi» beginnt, bevor Disney den Startschuss gegeben hat, zahlt eine Busse.

Seit Disney lukrative Brands wie Pixar und Marvel gekauft hat, macht der Konzern viel Geld. Im Heimmarkt USA holte er letztes Jahr ein Viertel des gesamten Einspielergebnisses. Zentral ist das Startwochenende. Über die ersten Tage nahm «The Force Awakens» damals weltweit mehr als eine halbe Milliarde Dollar ein. Auch der letztjährige Dezemberstart «Rogue One: A Star Wars Story» brachte dem Studio am ersten Wochenende global 300 Millionen ein. «The Last Jedi» dominiert auch deshalb die Kinosäle, weil sich die Konkurrenz kaum dagegen anzutreten traut. Erst nächste Woche startet wieder ein publikumsträchtiger Film: «Papa Moll» aus der Schweiz. Sein Verleiher: Disney.

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