Übernahme der Weinstein Company ist geplatzt

Die Investorengruppe unter Leitung von Maria Contreras-Sweet hat am Dienstag mitgeteilt, die Weinstein Company nun doch nicht kaufen zu wollen.

Harvey Weinstein kommt am 8. Januar 2017 an der The Weinstein Company und Netflix Golden Globes Afterparty an. Ein Jahr später droht seine Produktionsfirma zu verschwinden.

Harvey Weinstein kommt am 8. Januar 2017 an der The Weinstein Company und Netflix Golden Globes Afterparty an. Ein Jahr später droht seine Produktionsfirma zu verschwinden. Bild: Chris Pizzello/Keystone

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Neuer Rückschlag für die Produktionsfirma des ehemaligen Hollywood-Moguls Harvey Weinstein: Bei sorgfältiger Prüfung seien «enttäuschende Informationen» aufgetaucht, weshalb die Transaktion «nicht machbar» sei, erklärte Contreras-Sweet. Laut Angaben aus informierten Kreisen stiessen die potenziellen Käufer auf bislang unbekannte Schulden der Weinstein Company in Höhe von 64 Millionen Dollar (umgerechnet rund 60 Millionen Franken).

Das Angebot der Investorengruppe lag Berichten zufolge bei umgerechnet knapp 470 Millionen Franken. Mit dem Rückzieher wird ein Bankrott der Produktionsfirma wieder wahrscheinlich.

Contreras-Sweet deutete allerdings die Möglichkeit an, im Rahmen eines Konkursverfahrens Anteile an der Weinstein Company zu übernehmen. «Ich glaube, dass unsere Vision von einem von Frauen geführten Filmstudio immer noch die richtige Vorgehensweise ist», erklärte sie.

Völlig neue Unternehmenskultur

Contreras-Sweet war unter US-Präsident Barack Obama für kleine und mittelständische Unternehmen zuständig. Sie führte bereits seit dem Herbst Verhandlungen mit der Weinstein Company. Vergangenen Monat stand eine Übernahme der Weinstein Company durch ihre Gruppe schon einmal kurz bevor.

Vor dem Hintergrund der Missbrauchsvorwürfe gegen Firmengründer Harvey Weinstein wurde die Übernahme jedoch durch eine Klage des New Yorker Staatsanwalts Eric Schneiderman erschwert. Schneiderman wirft dem Unternehmen jahrelange Versäumnisse beim Schutz von Mitarbeiterinnen vor sexueller Belästigung vor.

Mit der Klage wollte er nach eigenen Angaben sicherstellen, dass die Opfer entschädigt und Angestellte geschützt würden und sich weder Täter noch Mitwisser «unberechtigterweise bereichern» könnten. Vor allem forderte er, dass dem neuen Vorstand keine Manager mehr angehören dürften, die für die alte Unternehmenskultur mitverantwortlich waren.

Contreras-Sweet teilte daraufhin mit, sie plane ein neues Studio mit einem neuen Vorstand, der sich mehrheitlich aus «unabhängigen Frauen» zusammensetze und für eine völlig neue Unternehmenskultur eintrete. Vergangene Woche erklärte sie, in Übereinstimmung mit der Staatsanwaltschaft sei eine Übereinkunft zur Übernahme der Weinstein Company erzielt worden.

Harvey Weinstein war kurz nach Bekanntwerden der ersten Missbrauchsvorwürfe im Oktober von seiner Produktionsfirma entlassen worden. Inzwischen werfen mehr als hundert Frauen, darunter zahlreiche Stars, dem 65-Jährigen vor, sie sexuell belästigt oder sogar vergewaltigt zu haben. Weinstein beteuert bis heute, keine sexuelle Gewalt gegen Frauen angewandt zu haben.

(sda)

Erstellt: 07.03.2018, 10:25 Uhr

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