Und er wütet wieder: So ist der vorläufig letzte Rambo-Film

In «Rambo: Last Blood» kämpft Sylvester Stallone gegen Menschenhändler – und bevor der Filmtitel eingeblendet wird, herrschen bereits Tod und Sturzflut.

Bleib mir weg: Sylvester Stallone in «Last Blood». Foto: Ascot Elite.

Bleib mir weg: Sylvester Stallone in «Last Blood». Foto: Ascot Elite.

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Am Ende ist die Erde von Arizona mit Narben bedeckt, darüber zieht der Rauch weg. Ein Schlachtfeld hat John Rambo wieder mal angerichtet. Er lässt den Blick schweifen und sagt: «Ich habe in einer Welt des Todes gelebt.»

Es folgt der Abspann, der wie zur Beglaubigung dieser Aussage Clips aus der berühmten Actionfilmreihe aneinanderreiht. Es beginnt vor fast vierzig Jahren, als Sylvester Stallone in «Rambo: First Blood» (1982) noch einen Vokuhila trug, über die vielen Fortsetzungen bis zum neusten Teil, der richtigerweise «Rambo: Last Blood» heisst. Davon werden auch noch ein paar Ausschnitte gezeigt, obwohl wir gerade den ganzen Film hinter uns gebracht haben.

Aber vielleicht ist so ein Déjà-vu ja ehrlicher. Schliesslich weiss auch Rambo-Darsteller und Co-Drehbuchautor Stallone, dass wir das alles nun wirklich schon oft gesehen haben. Wie John Rambo als Soldat der Special Forces schwer traumatisiert vom Vietnamkrieg heimkehrte in eine ihm feindlich gesinnte amerikanische Gesellschaft, die ihn als Schwächling oder als Babymörder beschimpfte. Wie er diesen «stillen Krieg», wie es im zweiten Teil hiess, mit sich selbst austragen musste. Was ihm aber nie gelang, weil am Ende alles immer raus musste, die ganze brüllend laute, nicht enden wollende Gewalt.

So rettete John Rambo in den Fortsetzungen ständig irgendwo im Urwald Kriegsgefangene und Helfer, er ballerte zahllose Magazine schwerer Maschinengewehre leer und jagte ein Strohhüttendorf ums andere in die Luft, aber hat ihm das je Erlösung gebracht?

Pancakes in der Pferderanch

«Last Blood» beginnt deshalb mit einem Stück Katastrophenkino, denn genauso tumultuös muss man sich das Innenleben des John Rambo vorstellen. Eine Wandergruppe ist unweit von dessen Pferderanch in Arizona in ein Gewitter geraten. Rambo reitet zu Hilfe, und bevor der Filmtitel eingeblendet wird, herrschen bereits Tod und Sturzflut. Brutalität als Urgewalt, das ist auch der ästhetische Standardmodus in der Filmreihe, die folgende Normalität wirkt deshalb wie Fassade. Wenn der Kriegsveteran auf der Ranch einen Hengst dressiert und ihm die Haushälterin Maria Pancakes hinstellt, kann dieses Idyll nicht lange bestehen.

Rambo lebt in «Last Blood» in seiner eigenen Höhle. Foto: Ascot Elite

Tut es auch nicht, denn Marias Enkelin Gabrielle, die Rambo sehr gern mag, fährt nach Mexiko, um ihren abgehauenen Vater zur Rede zu stellen. Das hätte sie lieber nicht getan, schliesslich weiss man dank Donald Trump, dass dort die «bad hombres» leben. Sie haben auch tatsächlich keinerlei Skrupel, Gabrielle zu entführen und als Sexsklavin zu halten.

Eine ganze Menschenhändlerarmee gegen John Rambo? Man kann sich ausrechnen, wo das hinführt. Immerhin kriegt er vor Ort Support von einer «unabhängigen Journalistin». Alle anderen Journalisten sind vermutlich zutiefst korrupt, sicher ist es die von den Kriminellen gekaufte mexikanische Polizei.

In den Reagan-Jahren wurde Rambo zum Pop-Maskottchen einer neoimperialen US-Politik.

Über die Jahre haben die drei Sequels, «Rambo: First Blood Part II» (1985), «Rambo III» (1988) und «Rambo» (2008) die Sicht ziemlich verstellt auf den tief verwundeten Kämpfer aus dem ersten Film. In den Reagan-Jahren wurde Rambo zum Pop-Maskottchen einer neoimperialen US-Politik, er räumte in Afghanistan auf und wurde noch einmal zurückgeschickt nach Vietnam, als könne man die Niederlage wenigstens im Kino überschreiben.

Je weniger militärische Erfolge die USA zu dieser Zeit vorzuweisen hatten, umso aufgepumpter erschien die Ein-Mann-Armee Rambo, als imaginäre Fortsetzung der Politik mit Aufputschmitteln. Wenn die zeitgenössischen Marvel-Filme Figuren aus Comic-Heften als Menschen zeigen, die unter uns Normalsterblichen wandeln, so machte die Rambo-Filmreihe aus einem glaubhaften Kriegsheimkehrer eine grobe Karikatur.

Der Trailer. Video: Ascot Elite

In den 80ern konnte man Rambo auch deswegen zum muskulös-sexualisierten Botschafter amerikanischer Hard Power stilisieren, weil er im Vergleich mit anderen Kino-Ikonen immer ein bisschen schlicht wirkte. James Bond hatte die besseren Sprüche, Rocky hatte die höheren Einsätze. Rambo hatte einfach immer sein Maschinengewehr, und wenn kein Maschinengewehr in Griffweite war, gab es noch die Panzerbüchse oder den Pfeilbogen.

In «Last Blood» von Adrian Grunberg kommt die abgesägte Shotgun hinzu, aber Rambo ist auch wieder effektiv mit dem Messer und als Fallensteller. Unter der Erde seiner Ranch hat er sich ein Tunnelsystem gebuddelt, in das er die Mexikaner hineinlockt. Jetzt ist er wieder die «one man guerilla army» wie damals in «First Blood», als Rambo sich gegen die Schikanen von Provinzpolizisten wehrte und hinter Baumstämmen hervorsprang.

Man kann nicht sagen, dass Sylvester Stallone im vorläufig letzten Teil eine grosse psychologische Präzision bewerkstelligt, aber sein Blick hat immer etwas Anrührendes. Die späte Rache von John Rambo gilt sowieso seinem eigenen Land, das ihn stets ausgestossen hat. Er ist jetzt nämlich definitiv zum Vietcong geworden.

Ab 19. 9. in den Kinos.

Erstellt: 18.09.2019, 17:30 Uhr

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