Wenn der scheue Saurier eine Party schmeisst

Eine Kollektion mit Kurztrickfilmen zeigt, dass die Werke von Pixar auch in der kleinen Form überragend sind.

Die kurzen Pixar-Produktionen erforschen immer wieder andere Seiten schon bekannter Charakteren. Der introvertierte Dino aus «Toy Story» wird plötzlich zum «Partysaurus Rex». Quelle: Youtube


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Das Animationsstudio Pixar ist das erfolgreichste der Welt. Keiner der 20 Kinofilme seit 1995 war ein Flop, und mit 9 gewonnenen Oscars für den besten Animationsfilm führt Pixar auch dieses Rennen mit grossem Vorsprung an. Das Studio ist heute die Marke für gute Familienunterhaltung schlechthin, so wie es Disney einmal war. Doch Pixars Animationskünstler sind nicht nur Meister der Langform, vielmehr kehren sie immer wieder gerne zu ihren Kurzfilm-Wurzeln zurück.

Der Klassiker: Die Animation der Schreibtischlampe Luxo Jr. Quelle: Youtube

Eine Erinnerung an den ersten Zweiminüter des ehemaligen Chefs John Lasseter kann man vor jedem Film im Logo sehen: Die Schreibtischlampe Luxo Jr. hüpft ins Bild und macht das I in Pixar platt. Bis vor kurzem war Lasseter oberster künstlerischer Leiter von Pixar und Disney. Nachdem ihm sexuelle Belästigung vorgeworfen worden war, trat er zurück. «Luxo Jr.» war 1986 eine Vorahnung, wie Computer die Animationsbranche verändern würden. Der fünfminütige Film «Tiny Toy» zwei Jahre später enthält bereits die wichtigsten Elemente von «Toy Story», Pixars Durchbruch im abendfüllenden Format. Diese frühen Pixar-Shorts veröffentlichte das Studio erstmals 2007 auf DVD. Nun ist man bei der dritten Kurzfilm-Kollektion angekommen, die 13 seit 2012 entstandene Filme vereint.

Promotion und Experiment

Wie schon zu Anfangszeiten des Studios sind die kurzen Pixar-Produktionen nicht nur liebevolle Eigenpromotion, sondern stets auch Experiment mit neuen Techniken und Figuren. Immer wieder erforschen sie andere Seiten von schon bekannten Charakteren. Mark Walshs «Partysaurus Rex» lässt etwa den introvertierten Dinosaurier aus «Toy Story» eine Party im Badezimmer schmeissen. Und wie die Vorgänge in der Gefühlsschaltzentrale von «Inside Out» weitergehen könnten, imaginiert Josh Cooley in «Riley’s First Date».

Im Kurzfilm Bao ewacht ein Dumplin zum Leben. Der Film ist für einen Oskar nominiert. Quelle: Youtube

Andere Kurzfilme sind Ausdruck der kreativen Vielfalt, die sich aus Menschen mit unterschiedlichsten kulturellen Hintergründen speist. In «Bao», aktuell als bester animierter Kurzfilm für den Oscar nominiert, transformiert die chinesisch-kanadische Regisseurin Domee Shi ihr Erlebnis mit einer überbehütenden Mutter in eine herzliche Geschichte, in der eine Teigtasche zum Leben erwacht.

Animation, das steckt schon im Wort, ist die Kunst, einem toten Ding Leben einzuhauchen und ihm eine Seele zu geben. Das hat Pixar bereits mit dem Maskottchen Luxo Jr. getan. Auch Dave Mullins’ Sechsminüter «Lou» besinnt sich auf diese Tradition. Der Inhalt einer Kiste mit Fundsachen wird da zur Hauptfigur, ihren fantastischen Körper bilden Bälle, Kleidungsstücke und Spielsachen, die sich ständig neu arrangieren. Ein Sinnbild für die Dynamik der Pixar-Kunst.

Pixar Kurzfilm Collection 3 erscheint am 7. Februar auf DVD.

Erstellt: 11.02.2019, 16:16 Uhr

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