Zurich Film Festival mit grüner Welle und Wahrheitssuche

Das 15. Zurich Film Festival bietet Stars und einen Regisseurinnenrekord. Jetzt ist das Programm bekannt.

Sie sagen Tschüss: Nadja Schildknecht und Karl Spoerri, die Gründer des Zurich Film Festival. Foto: Walter Bieri (Keystone)

Sie sagen Tschüss: Nadja Schildknecht und Karl Spoerri, die Gründer des Zurich Film Festival. Foto: Walter Bieri (Keystone)

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Der Blick zurück ist kurz und knapp: Karl Spoerri, Mitgründer und künstlerischer Leiter des Zurich Film Festival (ZFF), erinnert daran, wie man in der Anfangszeit des Festivals kritisch beäugt worden sei. Um an der Medienkonferenz am Donnerstag in Zürich gleich anzufügen: «Auch bei unserer letzten Ausgabe verstehen wir uns als Anwälte des Publikums.»

Dann gehts auch schon zum aktuellen Programm, das einmal mehr mit Stars wie Cate Blanchett, Kristen Stewart oder Julie Delpy vollgepackt ist. Co-Direktorin Nadja Schildknecht spricht stolz von einem «Frauenrekord am Festival», es stammten nicht weniger als 55 der total 170 Filme von Regisseurinnen. In den drei Wettbewerben ist die Quote mit 46 Prozent im Vergleich zu anderen Festivals ebenfalls sehr hoch.

Cate Blanchett, die am ZFF den Golden Icon Award erhält, bringt ihren neuen Film «Where’d You Go, Bernadette» von Richard Linklater mit und wird mit einer kleinen Retrospektive geehrt. Regisseurin und Darstellerin Julie Delpy spricht am Symposium «Women of Impact» über ihre Erfahrungen als Frau in der Filmindustrie und hält eine Masterclass. Und Kristen Stewart, die im Biopic «Seberg» über die Stilikone der Sechzigerjahre zu sehen ist, erhält den Golden Eye Award. Der «A Tribute to...»-Preis geht an den Spektakelfilmer Roland Emmerich («Independence Day»), und Oliver Stone kehrt auch wieder zurück ans ZFF. Diesmal ist er Jurypräsident.

Neu gibts eine Programm-App mit Kommentarfunktion.

Die 15. Ausgabe ist die letzte unter der Leitung von Schildknecht/Spoerri, sie werden das Festival künftig noch beraten. Als Hauptthema der Abschieds-Edition nannte Karl Spoerri «die grüne Welle», also Filme, die im Zusammenhang mit Klimaschutz stehen. Er nennt zum Beispiel die Schweizer Premiere «Bruno Manser» über den Schweizer Umweltaktivisten oder den Dokumentarfilm «Sanctuary» mit Javier Bardem, der sich für die Errichtung des grössten Meeresschutzgebiets in der Antarktis einsetzt.

Ein weiteres grosses Thema am ZFF ist der Wahrheitssuche gewidmet. Damit sind Filme gemeint wie «The Report» mit Adam Driver, ein Politthriller über die vertuschten Verhörmethoden der CIA nach 9/11. Zudem laufen in der Reihe «Hashtag #SpeakingTheTruth» weitere Filme zum Thema Fake News, politische Hetze und Mord an Journalisten.

Auch Lewis Hamilton kommt

Nadja Schildknecht rechnet am Festival auch dieses Jahr mit etwa 100’000 Besuchern. Das Budget wurde auf 7,8 Millionen Franken aufgestockt (unter anderem dank eines neuen Hauptsponsors), es gibt eine Programm-App mit Kommentarfunktion, und der Cube beim Festivalzentrum wurde umbenannt in «Hamilton’s World».

Der Grund: Zur Gala des Rennfahrerfilms «Le Mans '66» wird der fünffache Formel-1-Weltmeister Lewis Hamilton nach Zürich kommen. Mit der grünen Welle hat das dann vermutlich nicht so viel zu tun.

26. September bis 6. Oktober. www.zff.com

Erstellt: 12.09.2019, 13:02 Uhr

Highlights im ZFF-Programm

Nach Zürich kommen ja nicht nur viele Oscarpreisträger (dieses Jahr sind es zehn), sondern auch Oscaranwärter des Folgejahrs: Unter den ZFF-Galapremieren findet man etwa den Venedig-Sieger «Joker» (mit Joaquin Phoenix) oder die Netflix-Filme «Marriage Story» (mit Scarlett Johansson und Adam Driver) und «The Laundromat» (mit Meryl Streep).

Als Premieren von Schweizern laufen unter anderem die Flüchtlingsdoku «Volunteer» von Anna Thommen und Lorenz Nufer, das Beziehungsdrama «Quello che non sai di me» von Rolando Colla und der TV-Dreiteiler «Preis der Freiheit» über den Mauerfall von Michael Krummenacher. (zas)

Geschlechtergleichheit an Filmfestivals

Noch immer werden an Filmfestivals zu wenige Filme von Frauen gezeigt. Es gibt aber Anzeichen einer Besserung. Hier ein Vergleich des Frauenanteils in den Wettbewerben wichtiger Festivals (2019):

Zürich: 46 Prozent

Sundance: 46 Prozent

Berlin: 40 Prozent

Toronto: 36 Prozent (kein Wettbewerb)

Locarno: 32 Prozent

Cannes: 19 Prozent

Venedig: 9,5 Prozent

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