Ein wirkliches Talent

Von der königlichen Hochzeit in die Tonhalle Maag: Der 19-jährige Cellist Sheku Kanneh-Mason trat in Zürich auf.

In Zürich spielten Sheku Kanneh-Mason und seine Schwester Isata Gustav Holsts «In the Bleak Midwinter» als Zugabe.


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Sheku Kanneh-Mason: Das ist der, der 2015 zusammen mit seinen sechs Musikergeschwistern bei der TV-Show «Britain’s Got Talent» abräumte. Der ein Jahr später als erster schwarzer Cellist den renommierten BBC Young Musician of the Year Award gewann. Der inzwischen, mit 19 Jahren, einen Exklusivvertrag mit dem Label Decca in der Tasche hat und im vergangenen Mai bei der Hochzeit von Prinz Harry und Meghan Markle spielte. Nun trat er im Rahmen der Neuen Konzertreihe in der Tonhalle Maag auf, und wer da eine Show erwartet hatte, den triumphierenden Auftritt eines Shootingstars: Der wurde enttäuscht.

Alle anderen konnten sich freuen über einen Musiker, dem es allem Glamour zum Trotz wirklich um die Musik geht. Und um die Familie: Am Klavier sass Isata Kanneh-Mason, die als Begleiterin ihres kleinen Bruders ebenfalls auf den grossen Podien angekommen ist. Gemeinsam ist den beiden die Zurückhaltung, mit der sie spielen. Keine Mätzchen, keine theatralischen Gesten; Debussys d-Moll-Sonate beendeten sie so schlicht, dass das Publikum einen Moment stutzte – und erst dann applaudierte.

Auch sonst war das Programm nicht auf Effekt angelegt. Zum Auftakt gabs eine hoch romantische Boccherini-Bearbeitung, danach die schön schräge Sonate von Francis Poulenc; einzig Brahms' 2. Sonate mochte als Hitparadenstück durchgehen. Aber darum ging es nicht; sondern um die enorme Vielfalt an Klängen, die Sheku Kanneh-Mason seinem Instrument entlockt. Er kann einen Ton zum Brodeln bringen, in einen Hauch auflösen, zu Glas kristallisieren; und nie vergisst er die grosse Linie dabei. Selbst bei Poulenc, dessen Pointen er durchaus sec und mit viel Sinn für den eigenwilligen Humor des Komponisten servierte, blieb sein Grundton kantabel. Das will etwas heissen.

Nämlich dies: Dieser Brite hat tatsächlich Talent. Und er hat recht, dass er die TV-Show in seiner Biografie inzwischen nicht mehr erwähnt. Denn anders als all die Paul Potts und Susan Boyles ist Sheku Kanneh-Mason ein echter Musiker. Einer, der etwas zu erzählen hat mit seinem Instrument; der auch mal eine kleine Unschärfe in Kauf nimmt, wenn nur der Ausdruck stimmt; der mit seiner Schwester wirklich als Duo funktioniert, nicht als Star mit Begleitung. Als Zugabe spielten die beiden dann noch Gustav Holsts «In the Bleak Midwinter» in einem eigenen Arrangement. Und ja, diesmal kam der Applaus pünktlich. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 12.12.2018, 11:59 Uhr

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