«Habe Zeit zu beweisen, dass ich mein Geschäft verstehe»

In einem Interview hat sich Alexander Pereira zu seinem gekürzten Vertrag an der Mailänder Scala geäussert.

Schuld an der Misere in Mailand sind auch «die Auswüchse des Bürokratismus in Italien»: Alexander Pereira.

Schuld an der Misere in Mailand sind auch «die Auswüchse des Bürokratismus in Italien»: Alexander Pereira. Bild: Keystone

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Die Wogen scheinen sich geglättet zu haben: Sowohl die Mailänder Scala wie auch ihr designierter Intendant Alexander Pereira betonen, nach den Unstimmigkeiten mit dem gefundenen Kompromiss zufrieden zu sein. «Nun habe ich bis Ende 2015 Zeit zu beweisen, dass ich mein Geschäft verstehe», erklärte Pereira gegenüber der Zeitung «Standard». Sein Vertrag wurde auf 15 Monate verkürzt. Grund dafür war ein umstrittener Opernkauf von den Salzburger Festspielen, der vom Verwaltungsrat der Scala kritisiert wurde.

Pereira betonte, dass er dabei nicht mit sich selbst als Intendant der Festspiele einen Vertrag abgeschlossen habe. «Meine Nachfolger, Sven-Eric Bechtolf und Helga Rabl-Stadler, haben gemeinsam entschieden, ob sie das Angebot der Scala annehmen.»

«Auswüchse des Bürokratismus in Italien»

Dabei ging es um einen Betrag von 690'000 Euro, wiewohl die Salzburger Verantwortlichen zunächst «wesentlich mehr» verlangt hätten, sagte Pereira: «Wir haben hin und her verhandelt und uns schliesslich auf diesen Preis geeinigt.»

Schuld an der Misere in Mailand sind aus Pereiras Sicht auch «die Auswüchse des Bürokratismus in Italien». Laut italienischem Theatergesetz dürfe nur der amtierende Intendant Verträge abschliessen: «Das bringt absurde Interessenskonflikte.»

Sein Vorgänger Stéphane Lissner plane schon für Paris, Daniel Barenboim für Berlin, folglich müsste Pereira seine Planungen offenlegen, «auf die Gefahr hin, dass mir die anderen eine Produktion oder einen Künstler abjagen können».

«Ich habe keine Angst»

Ausserdem könne er nicht bis zum Antritt seiner neuen Funktion warten: «Wer glaubt, dass ich bis zum ersten September 2014 nichts mache und dann Produktionen aus dem Hut zaubere, kennt sich nicht aus. Künstler müssen gesichert werden. Sonst hat man kein Programm.»

Grundsätzlich zeigte sich Pereira aber über sein künftiges Engagement in Mailand nicht zwingend pessimistisch. «Der Verwaltungsrat, der sich neu zusammensetzen wird, kann dann über das weitere Vorgehen in Ruhe entscheiden», meinte er angesichts der Vertragsdauer bis Ende nächsten Jahres.

«Und ich auch. Wenn es so ist wie in den letzten Wochen, habe ich keine Lust an der Scala zu bleiben. Aber ich weiss, welche Qualität ich liefern kann. Ich habe keine Angst, mein Risiko ist gering.»

Beginnen wird Pereira seine Intendanz im Herbst jedenfalls mit «Fidelio», eine noch von Lissner vorgesehene Produktion. Die erste von ihm geplante Premiere steht am 15. Februar 2015 mit «Adia» in der Inszenierung von Peter Stein an. (kpn/sda)

Erstellt: 17.05.2014, 20:29 Uhr

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