Klassiker der Woche: Debussy, demokratisch

Hier dürfen auch mal ein Fagottist und eine Harfenistin Klaviermusik spielen.

So hat sich das Debussy nicht vorgestellt: Rui Lopes und Coline-Marie Orliac spielen sein Prélude «La fille aux cheveux du lin». (Youtube/Rui Lopes)


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Komponisten sind ungerecht. Viele haben ihre Lieblingsinstrumente, für die sie Hunderte von Seiten schreiben. Chopin etwa: Wer Klavier spielt, wird in seinem Leben nicht fertig werden mit allem, was es da gäbe. Alle übrigen Instrumentalisten gehen mehr oder weniger leer aus.

Sie können sich natürlich andere Komponisten suchen. Es findet sich immer irgendeiner, der die Oboe besonders mochte oder dick befreundet war mit einem Bratschisten. Ist man allerdings ein Duo mit der Konstellation Fagott plus Harfe, kann man lange suchen. Da findet man höchstens eine Vivaldi-Bearbeitung. Oder irgendein lustiges Kindertheater, das die unterschiedlichen Charaktere der Instrumente für eine Geschichte nutzt.

Aber man kann ja Stücke arrangieren, sie sozusagen ganz demokratisch für alle reklamieren – wie hier Claude Debussys Prélude «La fille aux cheveux du lin». Es ist ein Klavierstück (schliesslich hatte auch Debussy eine pianistische Schlagseite, wenn auch nicht ganz so ausgeprägt wie Chopin). Aber es ist eben ein ausgesprochen kantables Klavierstück, das sich also bestens für ein Melodieinstrument adaptieren lässt.

Man könnte sogar umgekehrt bemerken: seltsam, dass Debussy diese Melodie ausgerechnet für Klavier gesetzt hat. Man braucht schon eine sehr gute Legato-Technik, um sie da adäquat zu spielen. Der Fagottist – in diesem Fall Rui Lopes – hat es da leichter. Und auch die Harfenistin Coline-Marie Orliac hat einige Vorteile gegenüber ihren Kolleginnen am Klavier, welche die Leichtigkeit und das klangliche Geheimnis erst mal hinkriegen müssen.

Dass beim Bearbeiten auch etwas verloren geht, ist allerdings nicht zu überhören. Die schillernde Vieldeutigkeit vor allem, die der Klaviersatz zulässt, verschwindet in dieser Bearbeitung. Hier Melodie, da Begleitung – so eindeutig, wie man das hier hört, ist es im Original nicht.

Aber das macht fast gar nichts. Es ging den beiden ja wohl nicht darum, Debussy zu verbessern. Sondern darum, etwas zu spielen, was in dieser Kombination Sinn macht. Von daher kann man nur bilanzieren: Volltreffer.

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 14.06.2018, 09:13 Uhr

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