Klassiker der Woche: Die Blockflöten-Orgel

Bis zum Subkontrabass reicht das Instrumentarium der Royal Wind Music.

The Royal Wind Music spielt «Diligam te Domine» von Ascanio Trombetti. (Youtube/Rune Tonsgaard Sorensen)


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Eigentlich hiess der italienische Renaissance-Komponist Ascanio Trombetti ja Ascanio Cavallari. Den Namen Trombetti erhielten er und andere Mitglieder seiner Familie, weil sie so virtuos waren auf ihren Blasinstrumenten. Wären solche Übernamen heute noch üblich, könnte man die ganze Royal Wind Music umtaufen: Denn was dieses 1997 gegründete niederländische Ensemble mit seinen Blockflöten anstellt, ist bemerkenswert.

Nur rund 15 Zentimeter misst die kleinste Flöte, die in diesem Stück allerdings nicht zum Einsatz kommt; die grösste ist über drei Meter lang und läuft unter dem Namen Subkontrabassflöte: tiefer geht nicht mehr. Aber auch schöner ist schwierig. Trombettis Psalmvertonung «Diligam te Domine» hätte in dieser Besetzung eine kirchliche Aura, selbst wenn sie nicht in einer Kirche gespielt würde. Die Blockflöten verschmelzen zu einer Art Riesenorgel mit warmem, teilweise hauchigem und damit grandios archaischem Klang.

Niederländische Tradition

Dass das Ensemble ausgerechnet in den Niederlanden entstand, ist kaum ein Zufall. Hier lebte Frans Brüggen, der ganze Generationen von Blockflötisten geprägt und dem einst so beliebten, aber dann lange unterschätzten Instrument wieder zu neuer Geltung verholfen hat. Paul Leenhouts hat bereits 1978 unter anderem mit Brüggens Neffen Daniël Brüggen sein erstes Quartett gegründet. 1986 hat er in Utrecht ein Blockflötenfestival initiiert. Ausserdem hat er unzählige Werke für Blockflöte(n) bearbeitet – auch die hier gespielte Version stammt von ihm.

Sie ist nicht nur akustisch, sondern auch optisch attraktiv. Renaissance-Blockflöten sind nun mal prächtig anzuschauen: schlicht und gleichzeitig raffiniert – dank der instrumentenbaulichen Tricks, mit denen die für die Finger viel zu weit auseinanderliegenden Löcher erreicht werden.

Der Psalm «Diligam te Domine» wurde übrigens oft vertont, unter anderem vom Wettinger Albrecht Zwyssig, der zweifellos längst vergessen wäre, wenn er seiner Komposition nicht später einen anderen Text unterlegt hätte: «Trittst im Morgenrot daher», lautet die erste Zeile. Aber das ist wieder eine andere Geschichte. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 15.02.2018, 09:15 Uhr

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