Klassiker der Woche: Er vergitzelt fast

Man sieht in dieser berühmten Aufnahme nicht drei Tenöre am Werk, sondern Luciano Pavarotti – und dann noch zwei weitere.

Luciano Pavarotti (r.) zieht alle mit: Placido Domingo, Dirigent Zubin Mehta und José Carreras (stehend v. l.). (Video: Youtube / ursey39's channel)

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Im Moment dieser Aufnahme waren Luciano Pavarotti, José Carreras und Placido Domingo nur drei weltberühmte Tenöre, die sich während der Fussball-Weltmeisterschaft 1990 für ein Konzert in den römischen Caracalla-Thermen zusammentaten. Nach diesem Konzert, das rund eine Milliarde Menschen am Fernseher mitverfolgten, waren sie Popstars. Die «drei Tenöre» wurden zur Marke, zur Geldmaschine, zur Routine – und unter Kennern zur Lachnummer.

Pavarotti hatte ja schon immer ein Flair fürs Populäre und Kommerzielle gehabt, bei seinen nicht wirklich überzeugenden Cross-over-Versuchen mit Zucchero und Co. geriet es zunehmend in den Vordergrund. Auch seine gefärbten Haare und sein Umfang riefen früh schon Spötter auf den Plan. Aber wenn man ihn hier sieht, kann man nur konstatieren: Er war eine Wucht.

Lust auf hohe Töne

Klar, das Stück war ein Heimspiel. «Marechiaro» ist eines jener neapolitanischen Lieder, die italienische Tenöre seit Enrico Caruso sozusagen in ihrer DNA haben. Die Spanier Carreras und Domingo mussten sich da erst einmal zurechtfinden, vor allem Domingo scheint bei dieser Probe noch in der Phase des Buchstabierens zu sein. Aber wie Pavarotti die beiden (und auch den dazwischenstehenden Dirigenten Zubin Mehta) mitzieht, wie er fast «vergitzelt», wenn er mal nicht dran ist, und dann wieder loslegt: Das relativiert das Klischee des Kassensängers doch sehr.

Man sieht hier nicht drei Tenöre am Werk, sondern einen – und dann noch zwei weitere. Pavarotti scheint fast zu explodieren vor lauter Lust auf hohe Töne und schmelzende Phrasen; und abgesehen vom finalen Gezüngel, kümmert er sich dabei durchaus nicht um die Kameras. Auch wenn hier für eine Show geprobt wird, die dann tatsächlich zur Megashow wurde: Für einen Moment scheint es hier ums Vergnügen an der Musik zu gehen.

Danach wurde es Geld: Das Album zum Konzert ist bis heute das bestverkaufte Klassikalbum überhaupt. «Marechiaro» findet sich nicht darauf.

Erstellt: 01.09.2016, 13:24 Uhr

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