Klassiker der Woche

Klassiker der Woche: Géza Anda geht

Geplant war eine Gesamtaufnahme von Schumanns «Kreisleriana», aber nach dem zweiten Stück bricht Géza Anda ab: Zu verstimmt, dieses Klavier.

Subtil, selbst auf verstimmtem Klavier: Géza Anda spielt die «Kreisleriana». (Video: Youtube)

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Derzeit findet in Zürich der Concours Géza Anda statt, und die jungen Pianistinnen und Pianisten treffen ideale Bedingungen an: Der Flügel wird regelmässig nachgestimmt, nach jedem Auftritt wischt einer den Schweiss von den Tasten, und für alle Kandidaten steht ein perfekt auf ihre Grösse eingestellter Klavierstuhl bereit.

Géza Anda selbst war da weniger verwöhnt, wie diese Aufnahme vom 4. Mai 1964 zeigt. Geplant war eine Gesamtaufnahme von Schumanns Klavierzyklus «Kreisleriana» für das Fernsehprogramm «Les grands interprètes» – aber nach zwei von acht Stücken bricht Anda ab. Es habe keinen Sinn, weiterzumachen, sagt er, schlägt einen verstimmten Akkord an und geht.

Umso erstaunlicher ist sein Spiel bis zu diesem Moment: ruhig, konzentriert, hoch musikalisch. Anda, geboren 1921 in Budapest, gewann schon als 18-Jähriger den Franz-Liszt-Preis in seiner Heimatstadt. 1943 gelang ihm die Ausreise in die Schweiz, erst nach Genf, dann nach Zürich – von wo aus er eine internationale Karriere verfolgte. Nicht als Tastenlöwe, auch nicht als eigenwilliger Charakterkopf, sondern als kluger, ebenso analytisch wie poetisch gestaltender Interpret.

Fixsterne Mozart und Schumann

Seine künstlerische Haltung widerspiegelte sich in seinem Repertoire: Berühmt wurde er mit Béla Bartóks zweitem Klavierkonzert, dem er zum Durchbruch verhalf, auch die Konzerte von Beethoven, Brahms, Chopin und Tschaikowsky hat er regelmässig gespielt; aber seine Fixsterne wurden zunehmend Mozart und Schumann.

Von Mozart hat er sämtliche Klavierkonzerte (zum Teil mit eigenen Kadenzen) auf Schallplatte eingespielt, wobei er die Camerata Academica des Mozarteums Salzburg vom Flügel aus dirigierte – zu einer Zeit, als das noch alles andere als üblich war. Und wie klar und intuitiv, wie leidenschaftlich und verträumt er Schumann interpretierte: Das ist auch auf diesem Flügel zu hören.

1976 starb Géza Anda, erst 54 Jahre alt, an den Folgen von Speiseröhrenkrebs. Drei Jahre später gründete seine Witwe Hortense Anda-Bührle die Stiftung Géza Anda – und jenen Concours, an dem sich bis heute junge Pianisten mit jenen Werken und Werten befassen, die für Anda wichtig gewesen waren. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 11.06.2015, 11:41 Uhr

Concours Géza Anda 2015

Heute Donnerstag kommt in der Zürcher Musikschule (Florhofgasse 6) die zweite Runde des diesjährigen Concours Géza Anda zum Abschluss. Am 13. Juni folgt als Halbfinal in der Tonhalle die Mozart-Runde, am 16. Juni das Schlusskonzert ebenfalls in der Tonhalle, bei dem die ersten drei Ränge vergeben werden. Genaue Informationen finden sich unter www.gezaanda.ch

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