Klassiker der Woche

Klassiker der Woche: Zauberflöte? Zauberstimmen!

Das Zürcher Vokalquartett Dezibelles hat in Hamburg einen Förderpreis abgeholt. Und sich mit Mozart bedankt.

Auch Klassisches klingt bei den Dezibelles nicht besonders klassisch. (Video: Youtube/Andi Wullschleger)

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Das ist doch – ja, tatsächlich, die Ouvertüre aus Mozarts «Zauberflöte»! So ungefähr jedenfalls. Statt eines Orchesters sind hier die vier Stimmen von Andrea Fischer, Rebekka Bräm, Anna Liechti und Mélanie Lacroix im Einsatz, und dass diese Stimmen ansonsten nicht nur klassisch unterwegs sind, ist durchaus zu hören. Jedenfalls hat man den Eindruck, als könnten sie jederzeit in Richtung Swing abheben.

Die Dezibelles, wie sich das Zürcher Vokalquartett nennt, haben sich 2009 formiert und singen seither Pop, Volksmusik, Klassik und was ihnen sonst noch so unter die Stimmbänder kommt. Die Arrangements schreiben sie selbst und in schönster A-cappella-Tradition und präsentieren sie dann, wo immer sich Gelegenheit bietet: öffentlich und privat, in Kleintheatern und an Hochzeiten – und kürzlich nun eben auch in Hamburg.

Es war der erste ausländische Auftritt des Quartetts, zugleich die erste Teilnahme an einem Wettbewerb. Zu gewinnen gab es den «Jugend kulturell Förderpreis» der Hypovereinsbank, Dutzende von Vokalensembles haben sich darum bemüht – und die Zürcherinnen haben ihn gleichauf mit einem Leipziger Ensemble gewonnen (und den Publikumspreis bei der Berliner Vorentscheidung noch dazu). Süsser als Schokolade und präziser als jedes Schweizer Uhrwerk seien die Dezibelles, befand die Jury nicht ganz klischeefrei, aber zweifellos nicht falsch.

Von der Choreografie her halten sich die vier in dieser «Zauberflöten»-Ouvertüre zwar zurück, in anderen Stücken ist diesbezüglich mehr los. Aber wie sie die Orchesterklänge in Silben übersetzen, wie sie ganz ohne Bass auch den Bass hinkriegen, das ist bemerkenswert. Nie zieht die Aufführung Fäden (um auch das käsige Klischee noch zu bemühen), die Interpretation hat Zug und Schwung und Farbe, und wenn die Nervosität zwischendrin mal auf die Intonation zu schlagen droht, wird blitzschnell neu justiert.

Auf der Bank (um auch dieses Klischee et cetera) haben die Dezibelles nun zusätzliche 3500 Euro. Und im deutschsprachigen Raum wohl viele neue Fans.

(Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 12.11.2015, 10:12 Uhr

Artikel zum Thema

Klassiker der Woche: Der Honda-Chor

Dieser Chor singt nicht Bruckner oder Bach – sondern Scheibenwischer oder Beschleunigung. Mehr...

Klassiker der Woche: Sanfte Wilde

Klassiker der Woche Der Amerikaner William Christie hat für französische Barockmusik einen ganz eigenen Ton gefunden. Mehr...

Die Redaktion auf Twitter

Stets informiert und aktuell. Folgen Sie uns auf dem Kurznachrichtendienst.

Kommentare

Die Welt in Bildern

Grösste Wallfahrt der Welt: Eine Frau ruht sich während der jährlichen Pilgerfahrt zu Ehren der Jungfrau von Guadalupe in Mexico City aus. (11. Dezember 2018)
(Bild: Carlos Jasso) Mehr...