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Beethoven als Latino

Beethovens Sinfonien gibt es von vielen grossen Dirigenten. Jetzt auch von Gustavo Dudamel aus Venezuela.

Der erst 36 Jahre alte Kultdirigient: Gustavo Dudamel mit den Wiener Philharmonikern am Neujahrskonzert 2017. Foto: Herbert Neubauer (APA, Keystone)
Der erst 36 Jahre alte Kultdirigient: Gustavo Dudamel mit den Wiener Philharmonikern am Neujahrskonzert 2017. Foto: Herbert Neubauer (APA, Keystone)

BTHVN2020. Es ist langsam Zeit, sich an diesen Slogan zu gewöhnen, den Bonn, wo Beethoven 1770 geboren wurde, für das Jubiläumsfest 2020 erfunden hat. Man könne «die Generation Beethoven gestalten», so die Erfinder. Es zeige «den Erschaffer grossartiger Musik genauso wie den radikalen Künstler und den kreativen Visionär. Er ist damit auch heute nicht von gestern, sondern von morgen. BTHVN2020.de ist das Forum für Information und Aktivität.»

Andere sind da schon weiter, insbesondere die Musikindustrie, denn jede Generation möchte wieder ihre definitive Aufnahme aller neun Sinfonien besitzen, die ja auf immer und ewig die Essenz abendländischer Klassik definieren. Viermal hat sie allein Herbert von Karajan im Studio festgehalten. In den 80er- und 90er-Jahren folgten die mitunter unerbittlich strengen Originalklang-Artisten wie Niklaus Harnoncourt, Roger Norrington, Christopher Hogwood oder John Eliot Gardiner.

Redaktion Tamedia bietet die Neunte, dirigiert von Gustavo Dudamel, zum kostenlosen Download an.

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Dann starteten um 2000 gleich vier neuerliche Gipfelstürmer mit Besteigungen des klassischen Olymps. Nach dem Überraschungserfolg des unprätentiösen Zyklus von David Zinman mit dem Orchester der Tonhalle Zürich folgten kurz hintereinander Daniel Barenboim und die Berliner Staatskapelle, deutsch wuchtig und altgolden leuchtend. Und als Abschiedsgeschenk für Claudio Abbado die Berliner Philharmoniker, gipfelnd in einer herausragend ausbalancierten, frisch durchatmend explodierenden 9. Sinfonie.

Simon Rattle legte gleich zwei Gesamteinspielungen vor, eine mit den Wiener Philharmonikern und eine mit «seinen» Berlinern. Und andere waren in der Zwischenzeit auch nicht faul, etwa Riccardo Chailly mit dem Leipziger Gewandhaus zum Beispiel, schnell, aber federnd.

Nun kommen die Jungen

Jetzt läuft sich eine jüngere, dennoch schon tonangebende Dirigentengeneration warm für das Beethoven-Jubiläum. Philippe Jordan ist auf Video schon vorgeprescht mit dem Orchester der Pariser Oper: Ludwig van – mit französischer Clarté. Und er will schon bald nachlegen mit seinen Wiener Symphonikern auf CD. Zunächst einmal spielt man alle neune aber erstmals komplett in China. Antonello Manacorda und seine Potsdamer Kammerakademie denken nach den Erfolgen mit Schubert und Mendelssohn über einen Schlank-Beethoven komplett nach, mit Andris Nelsons und den Wienern ist er bereits fest verabredet.

Und nun Gustavo Dudamel, der 36-jährige Kultdirigent aus Venezuela, der aus dem staatlichen Musikförderprogramm «El Sistema» hervorging und schon mit 18 Chefdirigent des Landes-­Jugendorchesters wurde. Längst ist das Wiener Repertoire keine alleinige Sache Mitteleuropas mehr. Wenn man heute den definitiven Mozart/da-Ponte-Zyklus aus dem russischen Perm akzeptiert, gerade Wagners «Ring des Nibelungen» auf CD in Hongkong geschmiedet wird – warum soll nicht ein beachtenswerter Beethoven-Zyklus aus Südamerika kommen? Das weltweit gefeierte Orquesta Sinfónica Simón Bolívar will jetzt unter seinem charismatischen Chef offensiv den Beweis antreten. BTHV2020 könnte also auch Latino sein.

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