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Die Starcellistin spielt jetzt ihren Namen

Prominenter geht es kaum: Sol Gabetta brachte in der Tonhalle Maag Wolfang Rihms «Concerto en Sol» zur Uraufführung.

Sol Gabetta entlockt ihrem Cello Töne, denen man endlos zuhören könnte. Foto: David Maupilé/Sony
Sol Gabetta entlockt ihrem Cello Töne, denen man endlos zuhören könnte. Foto: David Maupilé/Sony

Die argentinische Wahlbaslerin Sol Gabetta hat ja schon diverse Werke uraufgeführt. Aber das Cellokonzert von Wolfgang Rihm ist nun das erste, in dem sie (respektive ihr Name) auch gleich noch das Tonmaterial liefert. Die Note «t» gibt es zwar nicht, aber das «d» ist ein tauglicher Ersatz – und die Tonfolge g-a-b-e-d-d-a ein Motiv, mit dem sich musikalisch durchaus etwas anfangen lässt. Noch günstiger ist der Vorname Sol, denn die Silbe steht auch für die Note «g»: Man nehme sie als Ausgangspunkt für die Komposition, und schon kann man sie als musikalisches Porträt vermarkten.

Aber halt, so einfach hat es sich Wolfgang Rihm dann doch nicht gemacht. Denn der gefragteste deutsche Komponist der Gegenwart stellt sich mit dieser Buchstabenspielerei in eine illustre Reihe: Schon Bach, Schumann oder Schostakowitsch haben Namen in Musik verwandelt. Wie sie hat Rihm den Anspruch, etwas aus dem Material zu entwickeln, das auch ohne Erklärung funktioniert.

Wolfgang Rihm gehört zu den gefragtesten Komponisten der Gegenwart. Foto: Keystone
Wolfgang Rihm gehört zu den gefragtesten Komponisten der Gegenwart. Foto: Keystone

Und ja, es hat funktioniert in dieser von Sylvain Cambreling dirigierten Uraufführung, die in der Reihe Migros Kulturprozent Classics stattfand. Am schönsten gleich zu Beginn, in einer traumartigen, nebligen Klanglandschaft, in der sich die Solistin in der Begleitung des Kammerorchesters Basel immer wieder verlor und wiederfand.

Auch danach waren die stillen Momente die stärksten: Weil Sol Gabetta hier Töne fand, denen man endlos zugehört hätte. Und weil der Komponist die energischeren Passagen zwar ebenfalls raffiniert gefärbt und klug geformt hat – aber in auffallend konstanter Intensität. Strawinskys «Concerto en ré» und Mendelssons «Schottische» Sinfonie boten dem Orchester da eine weit grössere rhythmische und dynamische Bandbreite.

Nachwuchsförderung mit der Stoppuhr

Schliesslich gab es auch noch eine neue Form der Nachwuchsförderung zu entdecken: Zu Beginn der diesjährigen Migros-Classics-Konzerte bekommt jeweils ein junges Schweizer Talent die Chance für einen Auftritt vor grossem Publikum. Diesmal war es Edouard Mätzener, der als Klezmergeiger den «Wolkenbruch»-Soundtrack mitgeprägt hat und nun mit gläsernem Ton Stücke von Piazzolla und Gershwin spielte.

Wenn er Glück hat, wird er nächstes Jahr als Hauptsolist engagiert: Dies ist der Preis, der jenem winkt, der bei seinem Kurzauftritt den längsten Applaus erhält. Auch die Musikwelt beginnt also die quantitative Bewertung zu entdecken. Und wir können vermelden: Mätzener kam auf 1 Minute und 9 Sekunden.

Wiederholung des Programms: Heute Mittwoch, 19.30 Uhr, Casino Bern. Am 26./27. Februar spielt Sol Gabetta in der Zürcher Tonhalle Maag Schumanns Cellokonzert.

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