Ein Pianist im Rausch

Der Russe Denis Matsuev spielte zur Eröffnung des Lucerne Festival.

Leiser, bitte: Der Dirigent Riccardo Chailly und der Pianist Denis Matsuev suchten die Nuancen in Rachmaninows Klavierkonzert Nr. 3. Foto: Peter Fischli/Lucerne Festival

Leiser, bitte: Der Dirigent Riccardo Chailly und der Pianist Denis Matsuev suchten die Nuancen in Rachmaninows Klavierkonzert Nr. 3. Foto: Peter Fischli/Lucerne Festival

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Im KKL-Foyer spaziert man durch ein Mini-Versailles, die Plakate zieren Krönchen, Militärhüte, Priester-Pileoli (und die Namen der Sponsoren). «Macht» ist das Festivalthema in diesem Sommer, und noch vor dem ersten Ton meinte man zu wissen, mit welchem Nachdruck der Russe Denis Matsuev das Thema von Rachmaninows Klavierkonzert Nr. 3 präsentieren würde.

Aber es kam anders: Zärtlich spielte Matsuev dieses Thema, leise, mit einer Leichtigkeit, die bei diesem Hünen umso verblüffender wirkte. Und das Lucerne Festival Orchestra unter Riccardo Chailly begleitete ihn so transparent und beweglich, dass die Musik fast auseinanderzubrechen drohte. Musikalische Macht kann nun mal auch darin bestehen, dass man sie gerade nicht ausspielt.

Aber Rachmaninow lässt sich nicht austricksen, irgendwann erhält seine Partitur von den Interpreten, was sie verlangt. Hier geschah es in der Kadenz des ersten Satzes, in der Denis Matsuev eine Wucht entwickelte, die einen um den Flügel bangen liess. Neben der Leichtigkeit kam nun auch Härte in sein Spiel, eine Power-Virtuosität, mit der er sich und das Publikum regelrecht in einen Rausch steigerte.

Beduselt wankte man in die Pause und stärkte sich für noch mehr Rachmaninow: für die sinnlich dargebotene «Vocalise» – und die sperrige Sinfonie Nr.3, in der Chailly als überaus aktiver Gestalter Kontraste schärfte, Tempi variierte und Texturen ­herausarbeitete. Anregend war das, manchmal auch anstrengend. Und vor allem war es eine mächtige Demonstration der Energie, mit der Chailly das ­Orchester in Sachen Repertoire und Gestaltung auf neue Wege bringen will.

Das Eröffnungskonzert wurde auch aufs Luzerner Inseli übertragen. Foto: Priska Ketterer/Lucerne Festival

Erstellt: 17.08.2019, 11:46 Uhr

Lucerne Festival 2019

Das diesjährige Sommerfestival wartet mit einigen Neuerungen auf: So spielt das Lucerne Festival Orchestra nicht nur unter seinem Chefdirigenten Riccardo Chailly, sondern auch unter Yannick Nézet-Seguin. Und neben der Lucerne Festival Academy treten unter dem Namen Lucerne Festival Alumni auch ehemalige Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Academy auf, die künftig eine wichtige Rolle bei der Positionierung des Festivals spielen sollen. Artiste étoile ist dieses Jahr der griechische Geiger Leonidas Kavakos, als Composer in residence präsentiert sich der Schweizer Elektronik-Pionier Thomas Kessler. Besondere Highlights setzen zwei Zyklen: Teodor Currentzis dirigiert Mozart-Opern; und der Pianist Igor Levit startet seine Gesamtaufführung aller Beethoven-Sonaten, die er im kommenden Sommer abschliessen wird. Das Festival dauert bis am 15. September; Informationen gibt es hier.

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