Ein Stargast aus den eigenen Reihen

Der Camerata-Leiter Thomas Demenga setzte sich für Brahms mit seinem Cello ins Ensemble.

Thomas Demenga ist ein gefragter Solist; nun spielte er für einmal im Orchester.

Thomas Demenga ist ein gefragter Solist; nun spielte er für einmal im Orchester. Bild: PD

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Er gehört zu den bekanntesten Interpreten der Schweiz, seine Aufnahmen erscheinen beim Prestige-Label ECM – und nun sitzt der Cellist Thomas Demenga in der Aula der Zürcher Universität zwischen den Musikerinnen und Musikern der Camerata Zürich. Als einer von sechs in Brahms’ erstem Streichsextett, als einer von siebzehn in der Streichorchesterfassung des zweiten.

Es ist eine Premiere. Demenga ist seit 2011 künstlerischer Leiter der Camerata, und er hätte zweifellos die Möglichkeit gehabt, das kleinere der beiden städtisch unterstützten Zürcher Kammerorchester zur Ego-Plattform umzubauen. Er tat es nicht; nur gelegentlich tritt er als Solist in Erscheinung, manchmal setzt er ein eigenes Werk ins Programm (denn auch als Komponist hat er einen guten Ruf). Er versteht sich als Ideen-Geber; und nun eben für einmal auch als Mitmusiker.

Der Solist des Abends war ein anderer. Zwischen den beiden Brahms-Sextetten spielte der venezolanische Bratschist Alessandro D’Amico die Solosonate «...an den Gesang eines Engels» von Bernd Alois Zimmermann, dessen 100. Geburtstag 2018 gefeiert wurde. Oder besser: hätte gefeiert werden können. Zimmermann gehört zwar unbestritten zu den bedeutendsten Komponisten des 20. Jahrhunderts, aber seine Werke werden (mit Ausnahme der Oper «Die Soldaten») selten gespielt; auch das Jubiläum hat daran wenig geändert. Dass die Camerata Zürich in der laufenden Saison in jedem Konzert ein Zimmermann-Stück präsentierte: Das war verdienstvoll, und eine typische Demenga-Idee.

Zwei Verluste

Man ahnte in diesem Konzert allerdings auch, warum Zimmermann-Aufführungen so rar sind. Die 1955 entstandene Bratschen-Sonate, die der Komponist seiner kurz nach der Geburt gestorbenen Tochter gewidmet hat, ist ein vertracktes Stück: technisch schwierig und musikalisch nur dann überzeugend, wenn man von diesen technischen Schwierigkeiten nichts mitbekommt. Alessandro D’Amico spielte es grossartig, ungemein nuanciert und gleichzeitig verblüffend locker. Wie er den Choral hervorhob, um den diese Musik komponiert ist, wie er die komplexe Tonsprache zu einer erzählenden machte: Das war so eindrücklich wie berührend.

Die Brahms-Sextette davor und danach erzählten von einem ganz anderen Verlust; Brahms verabschiedete in ihnen seine Verlobte Agathe von Siebold, an die er sich dann doch nicht binden mochte. Das aufgewühlte erste Sextett litt zwar gelegentlich unter der halligen Akustik des Uni-Exils, das die Camerata während des Tonhalle-Umbaus bespielt; aber das zweite kam in der Streichorchester-Bearbeitung des Camerata-Konzertmeisters Igor Karsko zu schönster Geltung: griffig im Klang, luzid in den Strukturen. Und so lebendig, wie es nur von einem bestens eingespielten Ensemble gestaltet werden kann.

Erstellt: 26.05.2019, 16:31 Uhr

Die Camerata-Saison 2019/20

«11 Mosaïques» hat Gérard Zinsstag für die Camerata Zürich komponiert; das Werk wird zum Auftakt der nächsten Saison uraufgeführt. Diese steht auch als Ganzes unter dem Motto «Mosaik»; die Camerata kombiniert einmal mehr ältere und neuere Werke, unter anderem in einem russischen, einem nordischen und einem italienisch geprägten Programm.
Neben den Konzerten werden die Projekte für Kinder und Jugendliche weitergeführt: Da gibt es den Camerata Club, in dem Kinder in Workshops ein Werk entdecken können, das sie dann bei einer Stippvisite im Konzertsaal hören. Unter dem Titel Camerata@School erarbeitet die Camerata bereits zum fünften Mal ein Musikdrama in einem Zürcher Schulhaus. Der Kompositionswettbewerb schliesslich wird bereits zum zehnten Mal stattfinden.
Informationen gibt es unter www.cameratazuerich.ch (suk)

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