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Eine Harfenistin für den Prinzen

Prince Charles schützt nicht nur die Natur, sondern auch die walisische Harfe. Nun hat er eine neue Hofharfenistin ernannt: Anne Denholm.

Anne Denholm ist die neue Hof-Harfenistin von Prince Charles.
Anne Denholm ist die neue Hof-Harfenistin von Prince Charles.
Tom Porteons

«Congrats!» «Thank you!» Die Twitterbotschaften auf dem Kanal der walisischen Harfenistin Anne Denholm lesen sich ein wenig eintönig in diesen Tagen. Dabei handeln sie von durchaus Ausserordentlichem: Die 23-Jährige ist nämlich soeben zur Hofharfenistin von Prinz Charles ernannt worden.

Fünfzehn Jahre ist es her, dass der Prince of Wales das historische, aber lange verwaiste Amt wiederbelebt hat. Er hat nun mal ein Flair für Traditionen, nicht nur für die Fuchsjagd; auch wenn sein jugendlicher Einsatz am Cello nicht weiter für Aufsehen gesorgt hat (sein Talent lag eher bei der Aquarellmalerei), wird er doch immerhin als Protektor des walisischen Nationalinstruments in die Musikgeschichte eingehen.

Belegt ist die Harfe in Wales seit dem 11. Jahrhundert, in der Renaissance verfassten walisische Dichter lange Poeme über das Nationalinstrument, das damals noch ein ziemlich einfaches war, bespannt mit Rosshaar-Saiten. Im 17. Jahrhundert importierte man aus Italien die Tripelharfe (mit drei Lagen Darmsaiten), die sich so rasch verbreitete, dass sie bald als walisische Harfe galt. Und man importierte als Virtuosen dieses Instruments den Franzosen Jean le Flelle, der 1629 dann als erster Hofharfenist engagiert wurde.

Charlie's Angel

Viele weitere folgten, bis 1871 die Queen Victoria das letzte Harfenistengehalt auszahlte. Das war das Ende der Tradition – bis Charles im Jahr 2000 seine erste Hofharfenistin Catrin Finch ernannte. Es ist zwar nur ein Ehrenamt (immerhin mit Spesenvergütung), aber es bringt die Inhaberin ins Rampenlicht. Finch jedenfalls hat mit klassischem Repertoire, Crossover und eigenen Jazzkompositionen eine beachtliche internationale Karriere lanciert. Sogar ein Film wurde über sie gedreht, von der BBC Wales, der Titel: «Charlie's Angel».

Heroin und Liebe

Ihre Nachfolgerinnen gerieten dann allerdings nicht nur aus musikalischen Gründen in die Schlagzeilen: Jemima Phillips, Hofharfenistin von 2004 bis 2007, wurde wegen Einbruchs verurteilt und wegen ihrer Heroinsucht in die Rehab geschickt. Claire Jones (2007 bis 2011), die an der Hochzeit von Charles und Camilla spielte, erkrankte am Chronischen Erschöpfungssyndrom. Und Hannah Stone (2011 bis 2015) entwickelte neben ihrem Flair für das berühmteste walisische Instrument auch eines für den berühmtesten walisischen Sänger: Sie hat sich mit dem zwanzig Jahre älteren Bassbaritonstar Bryn Terfel zusammengetan, was die englischen Medien umso prickelnder fanden, als Stones erster Gatte Gary Griffiths ebenfalls Bariton war – und schon früh als «der neue Bryn Terfel» gefeiert wurde.

Von Anne Denholm, der fünften Harfenistin des Prinzen, lässt sich derzeit noch nicht mehr sagen, als dass sie eine ebenso virtuose wie originelle Musikerin ist. Sie hat ein Quartett namens Hermes Experience für zeitgenössische Musik gegründet – wobei historische Musik für die ungewöhnliche Besetzung mit Klarinette, Sopran, Harfe und Kontrabass kaum aufzutreiben wäre. Auch im Bereich der World Music hat sie sich mit dem indisch-britischen Ensemble Kuljit Bhamra einen Namen gemacht. Und demnächst geht sie mit dem Dirigenten John Eliot Gardiner und dem Orchestre Révolutionnaire et Romantique auf Tournee: Auf die königliche Beförderung folgt damit eine Art Ritterschlag im klassischen Musikbetrieb.

Ihre königlichen Auftritte hat sie in der Agenda auf ihrer Homepage nicht notiert, bekannt ist nur, dass sie am Mittwoch auf dem Landsitz Llwynywermod in Llandovery gespielt hat: ein zweifellos «lauschiger» Start für die neue Botschafterin der walisischen Harfe.

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