Er spielt Klavier für die Krebsforschung

Nicolas Gerber ist Onkologe am Zürcher Kinderspital – und Konzertpianist. Nun gibt er zusammen mit Patricia Kopatchinskaja ein Benefizkonzert.

Patricia Kopatchinskaja und Nicolas Gerber waren einst als Duo unterwegs; nun treten sie erneut zusammen auf. Foto: Lukas Fierz

Patricia Kopatchinskaja und Nicolas Gerber waren einst als Duo unterwegs; nun treten sie erneut zusammen auf. Foto: Lukas Fierz

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Es wäre ihm lieber, wenn es in diesem Artikel mehr um die Sache ginge als um ihn selbst, sagt der 47-jährige Zürcher Kispi-Onkologe und Pianist Nicolas Gerber beim Treffen. Also die Fakten zuerst: Jedes Jahr erhalten in der Schweiz rund 220 Kinder eine Krebsdiagnose. Das sind im Vergleich zu den 37’000 Erwachsenen so wenige und die einzelnen Fälle sind so unterschiedlich, dass sich die Forschung nach ökonomischen Kriterien kaum «lohnt». Entsprechend schwierig ist es, Geld dafür aufzutreiben.

Also warum nicht ein Benefizkonzert planen? Das hat man sich nicht nur im Kinderspital gefragt, auch die grandiose Geigerin Patricia Kopatchinskaja hatte diese Idee. Und hier kommt nun eben doch Nicolas Gerber ins Spiel: als Sonderfall eines Arztes, der in seiner früheren Karriere Kopatchinskajas Duopartner war – und ihren Whatsapp-Vorschlag mit Ja beantwortete.

«Es ist nicht einfach, zwei gleich grosse Leidenschaften zu haben.»Nicolas Gerber

Musik und Medizin haben Gerber schon immer begleitet. Er war fünf, als er im Kispi einen sechsten Finger abnehmen lassen musste; danach schickten ihn die Eltern in die Klavierstunde, «sozusagen zu therapeutischen Zwecken». Die Musik packte ihn dann so sehr, dass er später das Gymnasium abbrach, um in Luzern bei Hubert Harry Klavier zu studieren. Aber irgendwann fehlte ihm die «Kopfarbeit», also holte er die Matura nach, begann ein Medizinstudium – und kehrte dann doch wieder zur Musik zurück.

Ein 15-jähriger Slalom sei es gewesen, sagt er, eine schwierige Zeit: «Es ist nicht einfach, zwei gleich grosse Leidenschaften zu haben.» 2001, als er gerade wieder aufs Klavier setzte, lernte er Patricia Kopatchinskaja kennen, die damals am Durchstarten war. Brahms hätten sie gespielt beim ersten Treffen, «und sie spielte mit einer solchen Wucht und Freiheit, dass ich nur dachte: Wow, was habe ich denn bisher gemacht?»

Zum Abschluss ein Ravel-Spektakel

Aber auch sie war begeistert; bald traten die beiden zusammen auf, in der Schweiz wie im Ausland. Bis Gerber dann doch wieder zur Medizin wechselte, diesmal endgültig: «Die Arbeit als Kinder-Onkologe ist genau richtig für mich.» Als Krebsspezialist habe er enge Beziehungen zu seinen Patienten, oft über Jahre hinweg. Und dann ist da eben die Forschung: «In den vergangenen Jahrzehnten ist die Überlebenschance von krebskranken Kindern von rund 10 auf 80 Prozent gestiegen», sagt Gerber; nun gelte es, nicht nur diese Quote noch weiter zu erhöhen, sondern auch die teilweise massiven Nebenwirkungen und Spätfolgen zu mindern.

Gerber redet sich ins Feuer, wenn er davon spricht – und ebenso, wenn er vom Konzertprogramm erzählt. Kopatchinskaja und er haben mit Ausnahme von Ravels «Tzigane» lauter Werke gewählt, die er noch nie aufgeführt hat: die Sonate Nr. 14 von Mozart, mit dem er sich seit dem Studium «seltsamerweise» kaum mehr befasst hat; Schumanns 2. Sonate, «ein glühendes Stück, das ich schon immer spielen wollte»; und dann noch etwas Zeitgenössisches von Toru Takemitsu, «eine ganz ruhige, schwebende Musik, genau das Richtige vor dem Ravel-Spektakel».

Derzeit ist er am Üben, er hat vier Wochen Ferien genommen dafür. Halbe Sachen sind nun mal nichts für einen wie ihn.

Konzert mit Patricia Kopatchinskaja und Nicolas Gerber: Montag, 25. November, 19 Uhr, Tonhalle Maag, Zürich.

Erstellt: 20.11.2019, 15:00 Uhr

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