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Fies konnte er nur auf der Bühne sein

Der bedeutende deutsche Opernsänger Kurt Moll ist 78-jährig gestorben.

Er war ein Theatermensch durch und durch, der Bass-Sänger Kurt Moll. Er liebte es, jeden Abend in eine andere Rolle zu schlüpfen (und er hatte sehr viele, sehr unterschiedliche Rollen in seinem Repertoire). Auch den Mutproben von Einspringer-Diensten in letzer Minute unterzog er sich gerne. Und dennoch wirkten seine Interpretationen stets rund und «fertig», durchdacht und durchgestaltet.

Kurt Moll, geboren 1938 bei Köln, ist seine Partien (und auch das Liedrepertoire) stets mit einer gewissen Zurückhaltung angegangen. Der Ochs aus dem «Rosenkavalier» war kein Rüpel bei ihm, der «Kaspar» aus dem «Freischütz» kam ohne dämonisches Getue aus. Moll charakterisierte sie im Rahmen des gepflegten Gesangs – mit einer Stimme und einer Sprache, die er so nuanciert einsetzte, dass er alles damit ausdrücken konnte. Markenzeichen brauchte er keine, sein geschmeidiger Bass war Identifikationsmerkmal genug. Es reichen zwei Takte, um Moll zu erkennen. Oder, etwa in der Triumph-Arie des Osmin, ein einziger Triller: Was bei anderen Sängern Verzierung ist, war bei ihm eine Kampfansage und ein unmissverständlicher Hinweis auf Osmins schlitzohrige Bösartigkeit.

Neben der Bühne war Moll weit freundlicher als sein Osmin: ein kluger, bescheidener Mensch, der seine Meinungen klar, aber höflich formulierte und mit allen auskam. Als Lehrer an der Kölner Musikhochschule warnte er seine Schüler vor Überheblichkeit. Und auch sein Verhältnis mit dem Publikum war ungetrübt: Nie habe er ein «Buh» gehört, sagte er einst in einem Interview, «ich würde das auch nicht verkraften, ich bin ein Seelchen in der Beziehung». Schliesslich buhe er seinen Zahnarzt auch nicht aus, wenn dieser ihm mal ein wenig wehtue.

2006 hat sich Kurt Moll aus gesundheitlichen Gründen in der Bayerischen Staatsoper von der Bühne verabschiedet, als «Nachtwächter» in den «Meistersingern». Nun ist er 78-jährig gestorben.

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