Zum Hauptinhalt springen

Hitlers Superflügel

Der «Quattro Chord Superflügel» sollte die Hallen Germanias mit einem «Klang wie Donnerhall» erfüllen. Nun ist der schwerste Flügel der Welt wieder im Einsatz.

phz
Auf dass der Steinway verblasse: Der Quattro Chord Superflügel.
Auf dass der Steinway verblasse: Der Quattro Chord Superflügel.

Als «Welthauptstadt Germania» wollten die Nazis Berlin neu erfinden - mit einem mehr als 300 Meter hohen Kuppelbau als Zentrum, der Platz für 180'000 Menschen geboten hätte. Die Adlerstatue auf der Kuppel sollte ursprünglich ein Hakenkreuz umklammern, doch Hitler setzte den Vogel kurzerhand auf eine Weltkugel.

Nicht völlig grössenwahnsinnig, aber immer noch überdimensioniert, war ein weiteres Projekt der Nazis: Ein Superflügel, der die amerikanischen Steinways auf die Ränge verweisen sollte. Weil Deutschland den Krieg verlor, kams nicht mehr zum grossen Duell der Klaviere. Doch im Gegensatz zu Germania erblickte der «Quattro Chord Superflügel» wenigstens das Licht der Welt.

700 Kilo schwer

Gebaut wurde er im Jahr 1943 vom sächsischen Klavierhersteller August Förster. Der Superflügel besteht aus Holz und Stahl und weist pro Taste vier statt üblicherweise drei Saiten auf. Mit 700 Kilogramm ist er der gewichtigste Konzertflügel, der jemals hergestellt worden ist. Er misst drei Meter und hat laut «Zeit» einen Klang «wie Donnerhall», der wohl die riesigen Hallen Germanias erfüllen sollte. Zum Vergleich: Der Steinway S-155, Baujahr 1936, wog 252 Kilos und mass 155 Zentimeter.

Nun ist der Quattro Chord Superflügel wieder zu hören. Allerdings nicht in megalomanischen Konzerthallen, sondern in der Werkstatt des Klavierrestaurators Christoph Schreiber, wo der Berliner kleine, feine Kammermusikkonzerte veranstaltet. Etwa jenes mit der slowakischen Pianistin Daniela Hlinkova, die auf dem Nazi-Flügel Werke des jüdischen Komponisten Gideon Klein spielt, der im KZ Fürstengrube hingerichtet wurde.

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch