«Ich habe die Situation in Salzburg unterschätzt»

Streit in Salzburg, Probleme an der Mailänder Scala: Alexander Pereira bekommt Gegenwind zu spüren.

Ehemaliger Zürcher Opernchef: Alexander Pereira leitet derzeit die Salzburger Festspiele – und wechselt im Oktober an die Mailänder Scala (15. Juli 2014). Foto: Barbara Gindl (AP, Keystone)

Ehemaliger Zürcher Opernchef: Alexander Pereira leitet derzeit die Salzburger Festspiele – und wechselt im Oktober an die Mailänder Scala (15. Juli 2014). Foto: Barbara Gindl (AP, Keystone)

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Sehnen Sie sich manchmal nach Zürich zurück?
Es war eine wunderschöne Zeit. Aber das Leben geht weiter, man muss schauen, wohin einen das Schicksal treibt.

Es treibt Sie aber früher als geplant von den Salzburger Festspielen weg.
Ja, ich habe die Situation hier unterschätzt. Ich war so gerührt über den Ruf in die Heimat, dass ich nicht genügend Analysen gemacht habe. Die finanzielle Lage war extrem heikel: Für eine ausgeglichene Rechnung hätte man sechs Produktionen streichen müssen. Aber wenn man nur drei macht, ist das schwierig. Also habe ich mir etwas Ähnliches überlegt wie in Zürich: Wenn man die Anzahl und die Attraktivität der Vorstellungen erhöht, kann man den Erlös steigern.

Das heisst: Klotzen statt sparen?
Man kennt Österreich in der Welt ja vor allem durch das Skifahren und die Kulturinstitutionen. In Krisenzeiten wäre es eine bewährte Methode, die Stärken zu betonen. Dass man sie stattdessen kaputt macht, dagegen habe ich mich gewehrt.

Sie haben sich in Zürich mit der Politik sehr elegant arrangiert. Warum haben Sie sich in Salzburg so mit dem Bürgermeister und der Festspielpräsidentin Helga Rabl-Stadler angelegt?
Wenn Sie mit Leuten reden, die das Problem nicht verstehen wollen, verzweifeln Sie irgendwann.

Und nun müssen Sie auch in Mailand Probleme erklären.
Man muss wissen: In Italien gibt es nur den amtierenden Intendanten, und dieser kann bis ins Jahr 2038 planen, wenn er will. Der designierte Intendant dagegen darf keine Verträge abschliessen. Darum habe ich mit meinem Vorgänger Stéphane Lissner ausgemacht, dass ich plane und er unterschreibt. Das ging gut, bis Frau Rabl-Stadler an einer Pressekonferenz gesagt hat, wir hätten in Salzburg ein ausgeglichenes Ergebnis, weil ich für 1,6 Millionen Euro Produktionen für die Scala eingekauft habe. Das hat so natürlich überhaupt nicht gestimmt! Es waren nur 660'000 Euro, aber das hat verschiedenen Fraktionen in Mailand die Möglichkeit gegeben, mich zu attackieren.

War es nicht ungeschickt, gerade in Salzburg einzukaufen?
Ich habe nicht mit mir selbst Geschäfte gemacht, sondern mit meinem Nachfolger verhandelt – und gute Bedingungen herausgeholt. Natürlich hätte ich auch von irgendwoher sonst Aufführungen übernehmen können, aber auf diese hätte ich keinen Einfluss gehabt. Bei diesen Produktionen dagegen habe ich die Künstler selbst ausgewählt, Proben besucht, Aufführungen gesehen, die Reaktionen erlebt. Dahinter kann ich stehen.

Nun haben Sie in Mailand eine Art Probezeit.
Ich selbst habe dem Mailänder Bürgermeister einen Kompromiss vorgeschlagen: Ich mache die Expo 2015 mit Glanz und Gloria, und wenn die Zusammenarbeit funktioniert, verlängern wir auf die ursprünglich geplanten fünf Jahre.

Rechnen Sie damit?
Es wäre ungeschickt, dazu etwas zu sagen. Sicher werde ich in dem Zeithorizont planen, der mir vorschwebt. Das muss ich auch. Wenn dann ein Nachfolger meine Pläne übernehmen müsste – da könnte ich mir Schlimmeres denken, es sind wirklich gute Dinge darunter.

Erstellt: 29.07.2014, 20:47 Uhr

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