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Klassiker der Woche: Alkoholisiertes Singen (2)

Der Abend war lang, auf dem Flügel steht ein Whiskyglas – und dann singt Dominique Visse so schön, dass nicht nur seine Gäste auf die Knie gehen.

Teenagertöchter sind gefährlich. Die kommen unter Umständen auf die Idee, ihre Väter nach einem feuchtfröhlichen Abend zu filmen und das Resultat ins Netz zu stellen. Jedenfalls hat das die Tochter des französischen Countertenors Dominique Visse so gemacht: «Voilà pourquoi j'aime quand mon père boit un petit verre de trop», hat sie dazu geschrieben, und dem kann man sich nur anschliessen. Ob mit oder ohne Glas, Visse ist eine Klasse für sich.

Hier singt er «Usurpator tiranno» von Giovanni F. Sances, die Stimme hat alkoholbedingt einiges von ihrer typischen Rasierklingenschärfe verloren – aber dafür an Zärtlichkeit gewonnen. Es ist eine Stimme, die ansonsten vor allem in komischen Rollen und Travestie-Partien Furore macht: Lüsterne Ammen, keifende Hexen, kindsköpfige Thronanwärter sind Visses Spezialitäten, und wer ihn als kleinen Satyr in Francesco Cavallis Oper «La Calisto» erlebt hat, wird keine andere Aufführung dieses Stücks mehr sehen oder hören wollen.

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