Klassiker der Woche: Aus der Spielzeugwelt

Die Melodica ist ja ein kurioses Instrument. Aber mit zwei davon kann man sehr anständig Dvorák spielen.

Die Melodica Men Tristan Clarke und Joe Buono haben ambitionierte Pläne. (Youtube/Melodica Men)


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Die Melodica sei ein «unglaublich vielseitiges Instrument», heisst es auf der Website der deutschen Instrumentenbaufirma Hohner, die ebendieses Blas-Tasten-Instrument in den 1950ern auf den Markt gebracht hat. Tatsächlich kommt es längst nicht mehr nur in Kinderzimmern zum Zug; dank Depeche Mode oder Oasis ist es in der Pop-Welt angekommen, auch im Jazz wird es immer wieder eingesetzt. Zu klassischen Weihen kam es bisher höchstens in zeitgenössischen Kompositionen. Dabei eignet es sich durchaus auch für älteres Repertoire, wie dieses Video zeigt: Mit zwei Melodicas schafft man eine durchaus differenzierte Version von Antonín Dvoráks Sinfonie «Aus der Neuen Welt».

Zumindest, wenn sich gute Musiker ans Werk machen. Hier sind es die Amerikaner Tristan Clarke und Joe Buono, die seit 2016 als Melodica Men unterwegs sind (und es auch schon zu einem Auftritt in der TV-Sendung «America’s Got Talent» gebracht haben). Clarke ist eigentlich Trompeter, ausgebildet an der renommierten Juilliard School und engagiert bei der Jacksonville Symphony. Buono dagegen ist als Posaunist, Komponist und Musiklehrer unterwegs.

Aus Scherz wird Ernst

Das Melodica-Duo ist zunächst einmal als Scherz entstanden; mittlerweile haben die beiden aber durchaus ambitionierte Pläne. Im Januar wollen sie ein Schulprojekt starten – klar, das passt, denn eigentlich war die Melodica zumindest ursprünglich ein Kinderinstrument. Auch auf ihrer Homepage findet sich eine Sektion mit pädagogischen Filmchen; da gehts um Vibrato und Mehrtoneffekte, um Zungenschlag und Artikulation. Also um alles, was es braucht, wenn man dieses Instrument ernst nimmt.

Dass sie auch weiterhin das Klassik-Repertoire nach geeigneten Stücken durchforsten, ist anzunehmen; Mozart haben sie schon gespielt, Strawinskys Rite of «Sacre du printemps» wurde gar zum viralen Hit. Und die Youtube-Kommentatoren melden fleissig Wünsche an: für Bachfugen etwa, oder für die Ouvertüre von Rossinis «Barbiere di Siviglia». Die beiden würden das sicher hinkriegen. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 14.12.2017, 10:35 Uhr

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