Klassiker der Woche

Klassiker der Woche: Einaudi überholt Taylor Swift

Der italienische Pianist und Komponist Ludovico Einaudi hat es in die britischen Charts geschafft.

Minimal kommt an: «Walk» von und mit Ludovico Einaudi. (Video: Youtube)


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Exakt 23 Jahre ist es her, seit der Pole Henryk Mikolaj Górecki (1933–2010) mit seiner 3. Sinfonie die Charts stürmte – in einer Aufnahme mit dem ehemaligen Tonhalle-Dirigenten David Zinman. Das Stück war damals längst nicht mehr neu, komponiert wurde es bereits 1976; aber nach diesem CD-Erfolg mit rund einer Million verkaufter Exemplare startete es eine bemerkenswerte Karriere als Film- und TV-Musik.

Nun hat es wieder einmal ein Klassiker in die britische Hitparade geschafft. Ludovico Einaudi heisst er und wurde 1955 in Turin geboren – als Sprössling einer der illustersten italienischen Familien. Der Grossvater Luigi Einaudi war italienischer Staatspräsident; der Vater Giulio Einaudi gründete das renommierte (und inzwischen Berlusconis Mondadori-Kosmos einverleibte) Verlagshaus Einaudi, in dem Autoren wie Italo Calvino oder Natalia Ginzburg ihre Werke herausbrachten.

Anders als Górecki hat Ludovico Einaudi seine Filmkarriere bereits vor dem Hitparadenerfolg absolviert. Studiert hat er zwar noch ganz klassisch respektive avantgardistisch bei Luciano Berio; aber seine ersten Erfolge verdankte er Soundtracks. Erst später kehrte er zur Konzertmusik zurück – und fand in der Minimal Music eines Philip Glass jene Inspiration, die sein Werk seither bestimmt.

Auch das hier gespielte «Walk» aus dem Chartstürmeralbum «Elements». Mehr als zwei, drei musikalische Motive sind nicht auszumachen in diesem Stück, und dass sie immer ungefähr gleich kombiniert werden, macht die Sache der hingetupften Leichtigkeit zum Trotz ein wenig schwerfällig. Da hatten frühere Minimalisten mehr Ideen mit dem langsamen Variieren und Verschieben ihres Materials. Aber darum gehts hier ja nicht, diese Musik soll gefallen, soll einen Flow erzeugen. Und ja, sie soll sich verkaufen.

Tut sie auch. Von der bevorstehenden Tour durch Italien sind viele Konzerte bereits ausverkauft. Darauf folgt eine weiträumige Konzertreise durch Deutschland, England und die Schweiz (Zürich steht am 31. Januar 2016 in Einaudis Agenda). Der derzeit 12. Platz in den britischen Charts wird dem Vorverkauf zweifellos nicht schaden – und auch nicht die Schlagzeile, dass er damit Taylor Swift überholt habe. Das ist zwar etwas übertrieben, sie war nun doch ein bisschen länger in den Toprängen als er. Auch Góreckis Erfolg ist noch nicht ganz in Reichweite. Aber wer weiss: «Elements» ist erst am 16. Oktober erschienen, da kann noch einiges kommen.

Erstellt: 29.10.2015, 10:06 Uhr

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