Klassiker der Woche: Frühlingsrock

Vivaldis «Jahreszeiten»-Konzerte werden auch von Leuten gespielt, die mit Barock sonst nichts am Hut haben.

E-Gitarre, Bass, Schlagzeug: Yves Custeau erledigt den Vivaldi ganz allein. (Youtube/Yves Custeau)


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Mit Vivaldis Musik kann man ja fast alles machen: Man kann sie spielen (mehr oder weniger gut). Man kann sie bearbeiten (für Blockflötenchor, Akkordeon, was auch immer). Oder man kann sich von ihr inspirieren lassen (das klingt dann meist nach Rondò Veneziano). Aber der Vivaldi-Sound: Der bleibt immer erkennbar.

So auch hier, in der Rockversion des wirklich sehr engagierten Multi-Instrumentalisten Yves Custeau. Er hat gleich alle Partien selbst eingespielt und dann alles zusammengemixt, und ja: Man erkennt den «Frühling» aus Vivaldis «Vier Jahreszeiten». Man hört allerdings auch eine Aufführungstradition, die eigentlich ziemlich vorbei ist: So geradeaus wird diese Musik sonst kaum noch gespielt.

Da zeigt sich, so ganz nebenbei, auch der Unterschied zwischen Vivaldi und Bach: Bachs Musik behält sogar als Klingelton noch einen gewissen Reiz. Bei Vivaldi dagegen sind einfallsreiche Interpreten gefragt, wenn der Einfallsreichtum seiner Werke zur Geltung kommen soll. Also Musiker, die nicht jeden Akzent gleich stark setzen, die ein Gefühl haben für die Farben, Freiheiten, Frechheiten dieser Musik.

Yves Custeau hat immerhin ein Gefühl für ihre Wucht – auch das hat seinen Charme. Wie er die filigranen Violinfiguren der Vorlage in ein E-Gitarren-Duett übersetzt; wie er die harmonischen Rückungen im Schlagzeug betont; wie er gar nicht erst versucht, barock zu klingen: Das passt schon. Besser als Rondò Veneziano jedenfalls ist es allemal.

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 12.04.2018, 09:08 Uhr

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