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Klassiker der Woche: Der singende Pianist

Was ging nur vor im Kopf von Glenn Gould? Hier hört man es.

Die Klaviertasten reichten Glenn Gould bei weitem nicht aus, um seine Vorstellung von Bachs Partita Nr. 2 zu gestalten. (Youtube/vagifabilov)

Gesungen hat der kanadische Pianist Glenn Gould (1932–1982) ja immer, auch in Konzerten und bei Aufnahmen. Meist war es ein mehr oder weniger störendes Mitsummen und -brummen. Aber hier, beim Üben von Bachs Partita Nr. 2, wird klar, dass das mehr als nur ein Tick war: Es war seine Weise, die Musik zu verstehen, die Klaviertasten zu überlisten und zum Singen zu bringen – und zwar in ganz unterschiedlichen Stimmen.

Voll und fast opernhaft gestaltet Gould manche Passagen, anderes dämpft er, dann wieder setzt er die Töne, als würde er Nägel einschlagen. Bachs Mehrstimmigkeit wird da wörtlich genommen; im Kopf des Pianisten dürfte die Musik tatsächlich wie ein Ensemble-Werk geklungen haben. Dass er das – im Rahmen der Grenzen, die ein Klavier nun einmal setzt – auch mit den Fingern vermitteln konnte, macht seine Kunst aus.

Was man ebenfalls mitbekommt in dieser Aufnahme, ist dies: Dass Glenn Gould an einem wirklich schönen Ort gelebt hat, und dass seine Kunst und dieser Ort zusammengehörten. Der Blick aus dem Fenster zwischendrin war Teil der musikalischen Arbeit und genauso notwendig wie das Repetieren einer Passage, die nicht läuft, wie sie sollte. Kein Wunder, hat Gould Konzertsäle bald einmal gemieden. Sich schön anziehen und dann von Anfang bis Ende spielen, was auf dem Programm steht: Das muss für einen Pianisten wie ihn tatsächlich eine Zumutung gewesen sein.

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