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Klassiker der Woche: Kurzes Glück mit Haydn

Wie Jacqueline du Pré und Daniel Barenboim eine Londoner Probenpause verbrachten.

Was ist hier falsch? Genau, am Klavier sitzt nicht der Pianist, sondern die Cellistin. Aber alles andere ist richtig in dieser Probenpause: Wie Jacqueline du Pré Haydn spielt! Und wie die beiden flirten! Man versteht zwar nicht, was Daniel Barenboim sagt, auch seine Blicke sind schwer zu deuten. Ist da nur Bewunderung und Verliebtheit? Oder auch ein bisschen Neid auf du Prés fulminantes Talent? Dass es knisterte zwischen diesen beiden, ist aber weder zu übersehen noch zu überhören.

Die Szene spielt 1968 in den Londoner EMI-Studios. Da waren du Pré und Barenboim 23 respektive 25 Jahre alt und gerade seit ein paar Monaten verheiratet: Zwei junge Musiker mit grosser Zukunft. Die Aufnahme der Brahms-Sonaten, die hier entstand, gehört bis heute zu den besten dieser Werke. Selten hat eine Cellistin diese Sonaten so kompromisslos gespielt wie Jacqueline du Pré, und wenn man sie hier in der Probe sieht, wie sie sich konzentriert, wie sie lacht bei einer besonders heftigen Attacke, wie sie reagiert auf Barenboims Spiel, wie sie ihre Haare zu bändigen versucht und am Schluss ganz leicht vom Podium hüpft – dann bedauert man umso mehr, dass diese Karriere nur so kurz war.

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