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Klassiker der Woche: Saint-Saëns’ Pantomime

Der Komponist als sein eigener Interpret (II): Als der Film noch stumm war.

1914 gab es noch keine Tonfilme – aber das hinderte Camille Saint-Saëns keineswegs daran, seine Kunst in einer Art Dirigenten-Pantomime vor der Kamera vorzuführen. Er tat es für den Film «Ceux de chez nous», in dem Sacha Guitry berühmte französische Künstler porträtierte – was bei Malern wie Auguste Renoir zweifellos leichter war als bei Musikern.

Aber Guitry wusste sich zu helfen: Er setzte einen Pianisten vor die Leinwand, der Saint-Saëns’ Dirigat folgen sollte. Nach ein paar Aufführungen protestierte dieser allerdings: Der Dirigent werde jedes Mal schneller. Und das war tatsächlich so – denn die Filmrolle nutzte sich ab, immer wieder mussten einzelne Bilder herausgeschnitten werden.

Die Erfindung des Soundtracks

Bei diesem Video hat man sich nun anders beholfen und den Dirigenten Saint-Saëns mit dem Pianisten Saint-Saëns kombiniert. Zwar führen die beiden nicht dasselbe Stück auf; der Klang des zweiten Klavierkonzerts und der Fantasie «Africa», die der Komponist 1904 eingespielt hatte, passt eigentlich nicht zu den Bildern. Manchmal allerdings schon, man hat sich Mühe gegeben mit dem Schnitt. Und vor allem hört und sieht man die gleichen Charakteristiken: So energisch und prägnant Saint-Saëns dirigiert hat, so pointiert spielte er auch. Keine Mätzchen, keine Vagheiten.

Die Erfindung des Tonfilms 1922 hat er übrigens nicht mehr erlebt, er starb ein Jahr vorher. Aber in der Entwicklung dieser Kunst spielte er dennoch eine zentrale Rolle: 1908 schrieb er für den Film «Die Ermordung des Herzogs von Guise» die allererste Originalfilmmusik. Bis dahin hatten improvisierende Pianisten die Stummfilmvorführungen begleitet, Saint-Saëns hat erstmals einen Soundtrack auskomponiert – und sich nur schon damit einen schönen Platz in der Musikgeschichte gesichert.

Im nächsten «Klassiker der Woche» spielt und spricht Sergei Prokofjew.

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