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Klassiker der Woche: Weg mit den Eitelkeiten!

Am kommenden Montag singt Julia Lezhneva in Zürich. Hier eine Arie für alle, die ihre Vorfreude vergrössern möchten.

Weg mit den Eitelkeiten, weg mit dem Tand: Am Ende von Händels Oratorium «Il trionfo del tempo e del disinganno» wird der personifizierten Schönheit klar, worum es wirklich geht. Um Schönheit, immer noch, wie Julia Lezhneva in der Arie «Tu del ciel ministro eletto» zeigt; aber nicht um Äusserlichkeiten.

Der «Bote des Himmels», der sie zu dieser Erkenntnis bringt, hatte in diesem Fall keinen weiten Weg. Schliesslich wird die Sopranistin selbst gefeiert, als sei sie ein Wesen von einem anderen Stern; «engelsgleich» ist das Wort, das im Zusammenhang mit ihrer Stimme am häufigsten fällt. Dabei stammt sie ganz irdisch von der russischen Insel Sachalin, wo sie 1989 geboren wurde. Ihre Eltern waren beide Geophysiker ohne grosse musikalische Interessen. Aber sie waren glücklicherweise offen genug, um bald einmal festzustellen, dass ihre Tochter mehr Talent für die Musik hatte als für Naturwissenschaften.

Ohne Druck, ohne Anstrengung

Sie waren nicht die Einzigen. Dass da eine besondere Begabung heranwuchs, merkten bald auch die Juroren diverser Wettbewerbe – und der Dirigent Marc Minkowski, der einen dieser Wettbewerbsauftritte auf Youtube sah und die Sängerin (die damals noch im Studium steckte) sofort engagierte. Bald danach hatte sie einen Vertrag mit dem Label Decca in der Tasche und damit die Bestätigung, dass sie bereits mit Anfang zwanzig ganz oben angekommen war.

Wobei sich Julia Lezhneva auch musikalisch wohlfühlt ganz oben. Wie sie in dieser Arie die Spitzentöne schafft, ist fast schon ein Wunder: Ohne Druck, ohne Anstrengung, ganz leicht und leise singt sie sie. Ätherisch klingt es dennoch nicht, dafür hat sie zu viel Kraft und Wärme in ihrer Stimme. Also vielleicht doch «engelsgleich»? Nein, mit floskelhaften Attributen kommt man dieser Sängerin nicht bei. Sie ist anders als andere, in diesem stillen Stück ebenso wie in den atemberaubend virtuosen Stücken, in denen sie selbst die irrsten Koloraturen wie nebenbei bewältigt.

In der barocken Musik könne man frei sein, hat Julia Lezhneva einmal gesagt. Sie ist es tatsächlich.

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