Königliches Fest für die Königin der Koloraturen

Edita Gruberova feierte im Zürcher Opernhaus ihr 50-Jahr-Bühnenjubiläum.

202 Mal sang Edita Gruberova im Zürcher Opernhaus - hier in Bellinis «La sonnambula», 2002.

202 Mal sang Edita Gruberova im Zürcher Opernhaus - hier in Bellinis «La sonnambula», 2002. Bild: Keystone

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Zürich, Opernhaus – Der Gala-Abend mit und für Edita Gruberova begann, wie andere enden: Mit einer Standing Ovation, minutenlangem Applaus, Rührung auf allen Seiten. Es konnte einem fast etwas mulmig werden, denn was sollte da noch kommen, wenn die legendäre Koloratursopranistin erst einmal gesungen hatte? Aber es kam tatsächlich noch mehr: noch mehr Applaus, noch mehr Rührung, und vermutlich zum ersten Mal in der Geschichte des Opernhauses wurde ein Leintuch über die Brüstung des ersten Ranges gehängt, mit grossen farbigen Buchstaben: «Grazie, Edita». Wer nahe genug sass, konnte von ihren Lippen ein «Wahnsinn» ablesen.

Wobei sie nicht den Wahnsinn der Lucia di Lammermoor meinte, mit dem sie ihr Publikum jahrzehntelang verzückt hat. Diese Paradenummer liess sie aus an diesem Abend, dafür gabs unter der Leitung von Andriy Yurkevych drei andere, ebenfalls von Donizetti – und damit nicht nur ein Kondensat der grossen Belcanto-Literatur, sondern auch eines der englischen Königsgeschichte. Erst starb die Gruberova als Maria Stuarda, Feindin der Elisabeth I. Dann starb sie als Anna Bolena, Mutter von Elisabeth I. Und schliesslich ging es in einem Ausschnitt aus «Roberto Devereux» auch noch Elisabeth I. selbst an den Kragen: Drei Tode in einem einzigen Konzert, das muss man erst einmal schaffen.

Edita Gruberova schaffte es mit Grandezza. Ihre Stimme ist zwar schärfer geworden – kein Wunder, in ihrem Alter sind andere Koloratursopranistinnen längst in Rente. Aber ihre irreal leisen und doch raumfüllenden Töne, das plötzliche Flirren, die Kontrolle: Das ist alles noch da. Und dazu eine dramatische Gestaltungskraft, die gegenüber früher eher noch zugenommen hat. Musikalische Schönheit war da nur noch ein Ziel; vor allem ging es darum, diese Königinnen als facettenreiche, auch zwiespältige Charaktere zu porträtieren.

Blumen und Pläne

Aber nicht nur vom Programm her war es ein königlicher Abend. Die eigentliche Königin war ja sowieso Edita Gruberova selbst, und das Zürcher Opernhaus feierte sie exakt 50 Jahre nach ihrem Debüt mit 21 Jahren in ihrer Heimatstadt Bratislava (und knapp 40 Jahre nach ihrem ersten von 202 Zürcher Auftritten) entsprechend. Mit vollem Orchester, Chor und Co-Solisten aus dem Ensemble und dem Internationalen Opernstudio; und mit einer ebenso humor- wie liebevollen Rede von Intendant Andreas Homoki. Gruberova revanchierte sich mit einem hoch emotionalen Dank an ihre Zürcher Wahlheimat und zwei Zugaben, die sie noch einmal von anderen Seiten zeigten: als Wagner-Sängerin zunächst, die den «Tannhäuser»-Hit «Dich, teure Halle, grüss’ ich wieder» für einmal an die Adresse ihrer Heimbühne richtete; und dann als quirlige Komödiantin in Adeles «Mein Herr Marquis» aus der «Fledermaus».

Mit all den Rosen, die sie davor und dazwischen und danach bekam, könnte sie nun locker einen Blumenladen eröffnen. Aber sie hat anderes vor: Im Frühling steht die «Lucrezia Borgia» an, in der Bayerischen Staatsoper München. Nochmals Donizetti, noch ein Tod. Das Sängerinnenleben geht weiter. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 20.02.2018, 13:25 Uhr

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